Full text : Die deutsche Ölmüllerei

70  H.  Die  Entstehung  und  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  bis  1870.
presse  ausgestattet,  und  es  wurden  mit  dieser  Einrichtung  in
24  Stunden  1250  kg  Ölsaat  verarbeitet.  Im  Jahre  1850  wurde
die  maschinelle  Einrichtung  insofern  verbessert,  als  man  8  Paar
Stampfen  entfernte  und  dafür  ein  paar  Walzen  und  zwei  Kollergänge ­
  einführte  und  außerdem  die  Schlägelpresse  durch  eine
doppelte  Keilpresse  ersetzte.  Mit  dieser  Einrichtung  gelang  es,
die  tägliche  Produktion  auf  2500—3000  kg  zu  steigern.  Im  Jahre
1861  wurde  dann  diese  Ölmühle  vollständig  abgerissen  und  an
ihrer  Stelle  eine  neue  mit  modernsten  Maschinen  ausgestattete
Ölmühle  erbaut.  Die  maschinelle  Einrichtung  derselben  bestand
aus  einem  Saatreinigungszylinder,  zwei  Walzwerken,  4  hydraulischen ­
  Topfpressen  zum  Vorschlag,  einem  Kuchenbrecher,
4  Kollergängen,  6  hydraulischen  Beutelpressen  für  den  Nachschlag, ­
  12  Dampfsamenwärmern  und  2  hydraulischen  Pumpwerken. ­
  Auch  wurde  bereits  in  ausgedehntem  Maße  mechanische ­
  Förderung  der  Ölsaaten  angewandt.  In  dieser  neuen  Ölmühle ­
  wurden  nunmehr  auf  demselben  Raume  und  mit
derselben  Kraft,  womit  früher  1250  kg  Saat  verarbeitet  worden ­
  waren,  in  24  Stunden  15000  kg  verarbeitet,  und  zwar  von
22  Mann 13 ),  die  sich  in  12stündigen  Schichten  zu  je  11  Mann
ablösten.  Es  entspricht  dies  einer  Steigerung  der  Produktivität
um  1200%,  eine  Steigerung,  die  in  dieser  Höhe  wohl  einzigartig ­
  gewesen  sein  dürfte,  wie  denn  auch  der  damalige  Besitzer ­
  der  Hofkunstmühle,  Herr  Kommerzienrat  G.  T.  Bienert,
in  seinen  „Erinnerungen  aus  meinem  Leben“ 14 ),  denen  ich  diese
Angaben  entnommen  habe,  selbst  schreibt,  daß  er  kaum  glaube,
„daß  es  damals  (1861)  noch  eine  Ölmühle  gab,  die  auf  so  kleinem
Raume  und  mit  so  wenig  Personal  ein  solches  Quantum  Saat
verarbeitete“.
Wie  steht  es  nun  mit  den  Gesamtproduktionskosten  der
mit  modernen  Maschinen  ausgestatteten  Ölmühlen?  Haben  diese
sich  auf  die  Einheit  der  erzeugten  Waren  bezogen  im  Vergleich
zu  früher  vermehrt  oder  vermindert?  Da  diese  Frage  im  engsten
Zusammenhänge  mit  der  nach  dem  Einfluß  der  veränderten

ls )  Es  sind  dies  nur  die  in  der  eigentlichen  Ölmühle  beschäftigten
Arbeiter;  Speicherarbeiter,  Hofarbeiter  usw.  sind  nicht  mitgezählt.
w )  Seite  71—78.  Dieselben  sind  nicht  im  Buchhandel  erschienen.
Ich  erhielt  das  Buch  durch  die  Liebenswürdigkeit  des  jetzigen  Besitzers
der  „T.  Bienert,  Dampfmühle  und  Ölfabrik“,  Herrn  T.  Bienert,  Dresden-Plauen.

            
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