Full text: Statistik und Verwaltung mit besonderer Berücksichtigung der preussischen Verwaltungsreform

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Statistik, der eine Pflanzstätte höherer statistischer Beamten in 
Preußen sein sollte, gegründet worden 1 ). 
Man geht wohl nicht fehl, wenn man in Ernst Engel, den 
damaligen Leiter der preußischen Statistik, den spiritus rector 
dieses ganzen Aufbaues sieht; war doch dessen Forderung stets 
gewesen »in jeder Provinz, in jedem Regierungsbezirke, in jedem 
landrätlichen Kreise, in jeder Stadt müßte ein für Statistik be 
stimmtes amtliches Organ vorhanden sein« 2 ). 
Leider sind die statistischen Dezernate bei den Regierungen, 
die ja jedenfalls nur ein Vorstoß im Sinne eines bestimmten Pro 
grammes zugunsten der Statistik sein sollten, auf dem Papier ge 
blieben, die Statistik hat sich nicht durchzusetzen vermocht, oder 
besser, die Zeit war wohl noch nicht reif für eine wissenschaftliche 
Erkenntnis und Führung des Verwaltungslebens. Der theoretische 
Kursus verlor namentlich mit dem Kriege 1870 an Bedeutung, er 
schlief nach verschiedenem Aufflackern sanft ein. Eine statistische 
Schulung der höheren Verwaltungsbeamten gibt es nicht mehr. 
Die Praxis bezüglich der Statistik bei den Regierungen, wie auch 
bei den übrigen Verwaltungsinstanzen ist, die Statistik durch Sub- 
alternbeamte in recht subalterner Weise erledigen zu lassen, so daß 
von irgend einer Pflege wissenschaftlicher Statistik in den reinen 
Landesverwaltungsbehörden nicht mehr gesprochen werden kann. 
Das ergibt auch die Betrachtung der Kreisstatistik. Gerade 
die Kreise waren ursprünglich schon wegen ihres historischen und 
territorialen Gefüges, vor allem aber wegen ihrer kommunalen 
Kompaktheit unter sämtlichen Verwaltungseinheiten der preußi 
schen Monarchie am ehesten geeignet, eine geordnete Statistik zu 
pflegen. Bereits in der Institution der Landreiter des 16. und 
17. Jahrhunderts lag hier der erste Ansatz zu einer Kreisstatistik 
vor 3 ). Eine eigentliche Pflege erfuhr die Kreisstatistik aber erst 
durch das Zirkularreskript vom 2. September 1838 4 ), welches die 
!) Vgl. Min.-Bl. f. d. ges. innere Verw. 23. Jahrg. 1862. Nr. 8. S. 257 ff. und 
Anlage XV, S. 58 ff., ferner Festschrift des Kgl. Preußischen Statistischen Bureaus, Teil I, 
S. 176—180. Engel, Denkschrift betr. die Gründung des statistischen Seminars. Zeitschr. 
d. Kgl. Pr. St. B. Jahrg. 62, S. 174—76, das statistische Seminar des Kgl. Pr. St. 
Bureaus, Zeitschr. 1864, S. 197—205, auch S. A. 
2 ) Ernst Engel, Über die neuesten Fortschritte in der Organisation der amtl. 
Statistik in Preußen. Zeitschr. d. Kgl. Preuß. Stat. Bureaus, II. Jahrg. 1862, Nr. 7 
und 8 auf S. A, S. 1. 
3 ) Vgl. u. a. Reinhold Jaeckel, »Zur Geschichte der Bevölkerung des Kreises 
Teltow.« Beilage zum Verwaltungsbericht des Kreises Teltow, auch separat erschienen. S. 2. 
4 ) Vgl. Anl. VIII, S. 34 ff.
	        
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