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Vorbedingungen oder Standortsbedingungen gegeben sind. Um
die für München als charakteristisch zu bezeichnenden In
dustrien auf systematischem Wege zu ermitteln, wurden für
die einzelnen Oewerbeklassen und Gewerbearten an Hand
der Reichsstatistik die prozentualen Verhältnisse der 1907 ge
zählten 48 Großstädte im deutschen Reiche von uns fest
gestellt und mit den gewerblichen Verhältniszahlen der Stadt
München in Vergleich gebracht Alle Industrien, die prozentual
unter den Durchschnitt der 48 Großstädte heruntersanken,
wurden als unbedeutend bei der späteren Betrachtung fallen
gelassen und nur in folgendem allgemein gestreift. Durch
diese auf rein methodischer Erfassung der Gewerbetätigen
in den einzelnen Gewerbearten beruhende Ausgliederung der
Industrien kamen jene Gewerbearten zum Vorschein, die schon
rein empirisch durch größere Enqueten bei den Betrieben uns
selbst als, bodenständig für München bekannt waren. Auf
sie wollen wir später noch näher eingehen. Zunächst ver
suchen wir die Verhältnisse festzustellen, mit denen eine In
dustrie in München zu rechnen hat.
Die geographische Lage der Stadt München ist nicht be
sonders günstig. Von vielen Großstädten des Reiches liegt
München am südlichsten in einem von Gebirgen und nach
barlichen Zollgrenzen umschlossenen Winkel des deutschen
Gebietes. Ihm fehlt das große kauffähige Hinterland, an das
es seine Produkte absetzen kann. Es hat keinen Anteil an
den großen Binnenwasserstraßen, an Kanälen, die eine Ver
bindung mit dem Meere, dem Auslande ermöglichten. Die
billige Wasserfracht für Rohprodukte wie für Fertigfabrikate
wird durch die teueren Eisenbahntarife ersetzt. Da fast
sämtliche Rohstoffe für die industrielle Produktion fehlen, wach
sen diese Frachtkosten ins Ungeheure, noch mehr aber durch
das Fehlen einer für die Industrien brauchbaren Kohle. Die
natürliche Entwicklung vieler Industrien, namentlich derjenigen,
welche die Kohle als Hauptkonsumartikel bedingen, hängt von
der billigen Beschaffung der letzteren ab. Bayern rechts
rheinisch, das für uns in diesem Fall in Betracht kommt, er
freut sich aber keineswegs, eines besonderen Kohlenreichtums
und ist zum größten Teil auf Kohlenimport angewiesen. Wohl