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können wir manches lernen. Wir haben schon viel, recht
viel versäumt, wir haben kostbare Gelegenheiten vorüber
gehen lassen, und manchmal, während wir wie hypnotisiert
auf die erstaunliche wirtschaftliche Entwicklung der Ver
einigten Staaten starrten, haben wir erst nachträglich und
zu spät gemerkt, daß die Männer drüben früh, sehr früh
geräuschlos aufgestanden waren und uns im eigenen Lager
gewissermaßen expropriiert hatten. Dann redete man wohl
— was nicht eben ein Zeichen von Selbstvertrauen war —
übermäßig laut und ängstlich von der „amerikanischen
Gefahr“; es blieb aber alles beim alten, und es'geschah
herzlich wenig, um dieser wirklichen oder vermeintlichen
Gefahr zu begegnen.
Eine Überraschung war es für uns, als wir hörten,
daß eine der größten amerikanischen Gesellschaften zur
Herstellung chemischer Produkte deutsche Kaliwerke ange
kauft habe. Die Amerikaner brauchen unser Kali, und sie
haben es sich gesichert, indem sie einen Teil unserer Kali
werke in aller Stille erstanden. Wir finden das tüchtig, und
es ist auch tüchtig. Nicht minder tüchtig wäre es von uns
gewesen, wenn wir, die wir das amerikanische Petroleum
brauchen, schon längst einen erheblichen Anteil an den
Petroleumquellen der alten Distrikte in Pennsylvanien, Ohio,
Indiana, West-Virginia, oder an denen der neuen Distrikte
in Texas und Californien uns in aller Stille gesichert und
erstanden hätten. Ganz gewiß hätten auch die Amerikaner
das von uns tüchtig gefunden. Den amerikanischen Geschäfts-
Realpolitikern würde es außerordentlich imponieren, wenn
wir versuchten, sie mit zu „kontrollieren“, anstatt uns
dauernd „kontrollieren“ zu lassen. Solch rechtzeitiger,
jetzt in einzelnen Bezirken beinahe unerschwinglicher Er
werb wäre wertvoller gewesen, als die an sich löbliche
Anlegung von Petroleum-Raffinerien, die zur Zeit bei uns in