fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Diese Grundsätze gewannen allmählich auch beim Publikum Beifall, und selbst 
die Freihandelspartei strenger Observanz fand sich durch die volkswirtschaftliche Grund 
lage der Patenterteilung beruhigt, die darin lag, daß der Patentschutz als Preis für 
die sofortige und vollständige Veröffentlichung der Erfindung erschien, wodurch die 
neuen, der patentierten Erfindung zugrunde liegenden Gedanken selbst industrielles 
Gemeingut wurden und auch auf anderen Gebieten befruchtend wirken konnten. Es 
dauerte aber doch noch lange, ehe die Reichsregierung sich entschloß, gesetzgeberisch in 
der Angelegenheit vorzugehen. Ich vermute, daß eine Eingabe, die ich als Vorsitzender 
des Patentschutzvereins an den Reichskanzler richtete, bei der Entscheidung für den 
Erlaß eines Reichspatentgesetzes wesentlich mitgewirkt hat. In dieser Eingabe betonte 
ich den niederen Stand und das geringe Ansehen der deutschen Industrie, deren 
Produkte überall als „billig und schlecht" bezeichnet würden, und wies gleichzeitig darauf 
hin, daß ein neues festes Band für das junge Deutsche Reich erwachsen würde, wenn 
Tausende von Industriellen und Ingenieuren aus allen Landesteilcn in den Reichs 
institutionen den lange ersehnten Schuh für ihr geistiges Eigentum fänden. 
Im Jahre 1876 wurde eine Versammlung von Industriellen sowie von Verwaltungs 
beamten und Richtern aus ganz Deutschland zusammcnbcrufen, welche ihren Beratungen 
den Gesetzentwurf des Patentschutzvereins zugrunde legte und ihn auch im wesentlichen 
als Grundlage beibehielt. Der aus diesen Beratungen hervorgegangene Gesetzentwurf 
wurde vom Reichstage mit einigen Modifikationen angenommen lind hat in der Folgezeit 
außerordentlich viel dazu beigetragen, die deutsche Industrie zu kräftigen und ihren 
Leistungen Achtung im eigenen Lande wie im Auslande zu verschaffen. Unsere 
Industrie ist seitdem auf dem besten Wege, dir Eharakteristik „billig und schlecht", die 
Professor Reuleaux den Leistungen derselben auf der Ausstellung in Philadelphia 1876 
noch mit Recht zusprach, fast in allen ihren Zweigen abzustreifen. 
Als das Reichspatentgesetz im wesentlichen meinen Vorschlägen entsprechend ins 
Leben trat, erging an mich die Aufforderung, den: zu bildenden Patentainte wenigstens 
für eine Reihe von Jahren als Mitglied beizutrcten. Ich tat dies gern, um dahin 
wirken zu können, daß die Ausführungspraxis mit den angenommenen Grundsätzen des 
Patentgesetzes im Einklang blieb. Auf diese Weise erhielt ich die Qualität als Reichs 
beamter und wurde als solcher vom Fürsten Bismarck für die Verleihung des Titels 
„Geheimer Regierungsrat" vorgeschlagen. Ich nahm denselben auch dankend an, da 
die Führung eines Titels in Preußen allgemein gebräuchlich ist und meine Kollegen, 
die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften, diesen größtenteils führten. 
5. Die örtliche Verteilung der einzelnen Industriezweige. 
Von F. C. Äuber. 
Zuber, Deutschland als Industriestaat. Stuttgart, I. G. Lotta Nachfolger, >90;. S. ;8. 
Der Standort der einzelnen Industriezweige ergibt sich aus ihrer geschichtlichen 
Äcrausgestaltung und aus der örtlichen Verteilung der Bodenschätze und Wasserkräfte. 
Die wichtigsten Materialien für die gewerbliche Produktion stellen Kohle und 
Eisen dar; dementsprechend bilden auch unsere Kohlen- und Eisenbergwcrke das feste 
und sichere Fundament der Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit unserer Industrie. 
Das Lauptkohlengebiet Deutschlands ist das rheinisch-westfälische Kohlenbecken, 
ein 20 km breiter Streifen, der sich von den Rheinhäfen Ruhrort und Duisburg 
50 km weit die Ruhr entlang zieht und 37 00 qkm kohlenführendcs Land mit einem
	        
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