Metadata: Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

I, 
Die Perioden der gewerblichen Freiheit 
und Bindung. 
Im Anfang des Mittelalters herrschte in den Städten Gewerbefreiheit. 
Sombart 1 ) hat besonderen Nachdruck auf diese Feststellung gelegt und 
ihre Bedeutung für die Erklärung der Zunftbewegung hervorgehoben. 
Erst allmählich ist die Freiheit zur Ausübung eines Gewerbes durch den 
Zunftzwang und andere Beschränkungen aufgehoben worden. Keineswegs 
setzt diese Bewegung in allen Gewerben gleichzeitig ein. Im Gegenteil: 
sie beginnen in der einen Stadt früher, in der anderen später und auch in 
derselben Stadt werden nach und nach einzelne Gewerbe von ihr ergriffen. 
Nürnberg und Lübeck gehören z. B. zu den Städten, in denen der Zunft 
zwang sich verhältnismäßig spät entwickelte. In Frankfurt a. M. bestand 
während des 14. Jahrhunderts bei den Kürschnern, Lohgerbern, Fischern, 
Schiffern, Steindeckern, Gärtnern, Webern kein Zunftzwang; erst im 
15. Jahrhundert wurde er in diesen Gewerben eingeführt. Die Beispiele 
lassen sich leicht vermehren. Auch für die außerdeutschen Länder konnte 
Sombart entsprechende Daten beibringen. 
Was ist die Ursache, daß man damals die gewerbliche Freiheit aufgab 
und einen Zustand der Gebundenheit einführte, der die Selbständigkeit 
der einzelnen Zunftmitglieder immer stärker beschnitt ? Die Frage können 
wir indirekt beantworten, indem wir zunächst einmal festzustellen ver 
suchen, warum vorher volle Gewerbefreiheit möglich gewesen war. 
Das Ziel, das sich die mittelalterlichen Handwerker steckten, war 
dasselbe, das noch heute allen Erwerbswirtschaften eigen ist, nämlich: 
durch wirtschaftliche Tätigkeit für fremden Bedarf den eigenen Lebens 
l ) Sombart, Der moderne Kapitalismus 1902 Bd. I S. i32ff.
	        
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