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Zweiter systematisch-theoretischer Teil
Salz hat darauf hingewiesen *), daß die industrielle Revolution,
durch welche die neue Wirtschaftsordnung entstanden ist, aus Raum-
not und Menschenfülle entsprungen sei und unter dem Zeichen der
Kargheit und nicht des Überflusses gestanden habe. Wir können
auch in der ganzen Geschichte beobachten, daß in dem Widerstreit
und in dem Kampfe wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Kräfte
die ersten dann und dort an Erfolg zunehmen, wenn bei einem
starken Volkswachstum und bei der Kargheit der Natur die Lebens-
verhältnisse schwieriger zu werden beginnen. Damit hängt auch
die so oft erörterte Tatsache zusammen, daß in den letzten Menschen-
altern die Bedeutung des wirtschaftlichen gegenüber anderen
wichtigeren Kategorien des Lebens so sehr an Bedeutung zuge-
nommen hat.
Deshalb steht es auch durchaus im Einklang mit den Be-
ziehungen zwischen Volkszahl und Wirtschaft, wenn jene, die eine
solche Änderung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ord-
nung befürworten, vielfach erst dann die Möglichkeit dazu gekommen
sehen, wenn das Volkswachstum ein langsameres Tempo ein-
geschlagen hat. Auf diesen Zusammenhang hat schon im Jahre
1913 Sombart hingewiesen ?), als er die Faktoren besprach, die
dem weiteren Wachstum des kapitalistischen Geistes entgegen-
wirken können. Nichts anderes besagt es, wenn er neuerdings
dargelegt hat, daß diese sog. nachkapitalistischen Systeme „nur
dort, aber auch dort zuverlässig möglich sind, wo erstens der Be-
darf stabilisiert, zweitens eine gewisse Stabilität der Technik ein-
getreten ist, wo Absatz und Konsum in festen Geleisen fahren“ ®).
Die gleiche Meinung hat Liefmann vertreten, wenn er unter die-
jenigen Faktoren, die geeignet seien, das rationale Prinzip abzu-
schwächen, das Aufhören technischer Fortschritte und das Auf-
hören der Bevölkerungsvermehrung rechnet*). „Durch Beides
würde“, so meint er, „die Wirtschaft viel von ihrer heutigen zen-
tralen Bedeutung im Leben verlieren und dann würden die Aus-
sichten für eine Öffentliche Verwaltungswirtschaft, die einzige, die
wir uns neben der heutigen individuellen Wirtschaft vorstellen
können, günstiger sein als heute“.
!) Der Sinn, a. a. O., S. 593. -— Siehe auch Rathenau, Ges. Werke, 1918,
Bd. ı, S. 36 ff,
?) Der Bourgeois, S. 463/64.
?) Wandlungen, a, a. O., S. 254.
*) Liefmann, Die Zukunftsaussichten des modernen Kapitalismus, Zeitschr f.
Betriebslehre, 1928.