Full text: Wirtschaftspolitisches Handbuch von Rumänien

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Soziale Verhältnisse 
für die eigene Person benützen könnten, und wurden selbst Thron 
bewerber. Schon Ende des 17. Jahrhunderts kamen die ersten 
Fanarioten auf den Thron der Walachei und der Moldau. Vom Be 
ginne des 18. Jahrhunderts an aber, nachdem die einheimischen 
Fürsten in den beginnenden Kämpfen zwischen der Türkei und 
Rußland sich als durchaus unzuverlässig erwiesen hatten, werden 
sie nahezu ausschließlich zu diesen Würden berufen. Unter ihnen 
nahmen Lizitation und Korruption noch viel größere Dimensionen 
an. Das Gold floß in Strömen nach der Türkei, und der Wechsel 
der Fürsten wurde immer häufiger. Kennzeichnend für die Thron 
folgeverhältnisse in den Donaufürstentümern ist die Tatsache, daß 
in der Walachei von ihrer Errichtung (1290) an bis zu ihrer Ver 
einigung mit der Moldau (1859), also im Zeitraume von 669 Jahren 
die Regierung nicht weniger als 133 mal. mithin im Durchschnitte 
alle (669:133---) vier Jahre, und in der Moldau von ihrer Errich 
tung (1360) an bis zur Vereinigung mit der Walachei (1859), also 
im Zeitraume von 499 Jahren sogar 145 mal, mithin alle drei 
Jahre gewechselt hat. 
Dieser stetige Regierungswechsel übte den nachhaltigsten Ein 
fluß auch auf die Entwicklung der privilegierten Klasse der Bojaren 
aus. Solange die Erbfolge durch die Gewalt der Waffen ent 
schieden wurde, mußten die Bojaren, ob sie wollten oder nicht, für 
einen der beiden Prätendenten Partei ergreifen, und jede Partei 
nahme war mit dem Risiko der Stellung und des Lebens verbunden. 
Blieben sie dem auf dem Throne befindlichen Fürsten treu, und 
siegte der Gegenfürst, dann verloren sie nebst der Hofstellung ihre 
Güter, die eingezogen wurden, und, wenn sie sich nicht rechtzeitig 
über die Grenze flüchteten, auch das Leben. Dasselbe Los drohte 
ihnen, wenn sie sich dem Gegenfürsten anschlossen, und der Fürst 
sich behauptete. Ihr Schicksal hing unter diesen Umständen stets 
davon ab, ob sie den Sieger im vornhinein zu erraten vermochten, und 
da auf die Dauer keiner dieses Kunststück zustande brachte, wechselte 
ihr Dasein beständig zwischen hoher Würde und elender Flüchtlings- 
eristenz, wenn sie nicht überhaupt zugrunde gingen, wie denn die 
Abschlachtung ganzer Scharen von Bojaren eine in der älteren Ge 
schichte der Donaufürstentümer häufige Erscheinung ist. Die durch 
diese Verhältnisse bewirkte Unzuverlässigkeit der Bojaren, die mit der 
Zeit in eine systematische Perfidie ausartete, veranlaßte ihrerseits 
die Fürsten, ihre Stütze nicht in den Bojaren, sondern in geworbenen, 
von ihnen bezahlten und daher ihnen ergebenen Truppen zu suchen. 
Die Bojaren entfremdeten sich dem Kriegsdienste, verloren aber 
hierdurch auch die Aussicht auf Beute und auf Landschenkungen 
als Lohn für hervorragende Kriegstaten, zumal durch die üblichen,
	        
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