136 Neuntes Buch. Erstes Kapitel.
Der Kaiser hatte die italienischen Bischöfe wegen ihres Reichs—
kirchengutes zur Lehnspflicht angehalten; er hatte geduldet, daß
die roncalischen Beschlüsse auch auf einzelne Teile des mathildi—
schen Gutes Anwendung fanden. Der Papst dagegen hätte vom
Kaiser Tivoli und Ferrara, Massa und Figherulo, das mathildi—
sche Hausgut, Spoleto, Sardinien, Corsica fordern mögen; bitter
empfand er überall die Eingriffe des Imperiums. Als nun gar
der Kaiser bei der revolutionären römischen Bürgerschaft für
seine Sache werben ließ, da suchte der Papst Verbindung mit
den Normannen und ermutigte die Lombarden zum Widerstand;
die Lage spitzte sich aufs äußerste zu: Hadrian hatte sich schon
zur Bannung des Kaisers verpflichtet, als er am 1. September
1159 aus dem Leben schied.
Es folgte eine zwiespältige Wahl. Die Mehrheit der
Kardinäle wählte unter dem Namen Alexanders III. Roland,
den Kardinal des Tages von Besançon, die kaiserfreundliche
Minderheit, schließlich nur aus drei Kardinälen bestehend,
wählte den Kardinal Oktavian als Viktor IV.
Friedrich nahm gegenüber dem Schisma die Entscheidung
auf einer von ihm berufenen Synode in Anspruch, ganz im
Sinne der kräftigen Traditionen des Kaisertums. Ehe diese aber
zusammentrat, fiel Crema in seine Hand, das eine Haupt des
lombardischen Widerstands, am 27. Januar 1160. Furchtbar
wurde die Stadt bestraft; die Bürger wurden zur Auswanderung
gezwungen; als öden Trümmerhaufen ließen fie ihre Heimat zu⸗
rück. Dann ward die Synode zu Pavia, am 8. Februar, er
öffnet. Ihr Ausgang war bei dem Schrecken, den die Be—
handlung Cremas verbreitet hatte, doppelt sicher: Viktor IV.
ward anerkannt, Alexander III. gebannt.
Allein Alexander, ein großer, furchtloser, von Fanatismus
freier Charakter, einer der ruhigsten Realisten auf dem Stuhl
Petri, gab seine Sache mit nichten verloren; er wußte sich einst⸗—
weilen sicher im normannischen Schutze, er konnte hoffen, die
romanische Welt zu gewinnen, er zählte Anhänger sogar in