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,Die Herrschaft des Wortes“,
gegen das Alltägliche besagt schon eine Folge und ist durchaus
nicht der Grund der nationalökonomischen Sonderheit. Der sitzt
tiefer und läßt sich ungleich schärfer fassen. Auch darüber gleich
eine Andeutung, auf die ich mich in der Folge oftmals beziehe.
Damit wird sich das Bild erst beleben, das ich hier bloß in schroffen
Umrissen erscheinen lasse.
Den entfernteren Grund ihrer Eigenart teilt die National
ökonomie noch mit anderen Wissenschaften; ich nenne sofort die
Historie. Mit dem historischen zusammen, ist das nationalökonomische
Denken ein eigenartiges, und trennt sich z. B. aufs schärfste vom natur
wissenschaftlichen, weil es sich gleichsam einer anderen Welt vermählt:
Jener Welt des Handelns, die als das selbstherrliche und ur
sprüngliche Dritte zwischen Sinnenwelt und Seelenwelt steht.
Eine Welt, voll der eigenartigsten Gebilde, die aber einheitlich
ruhen auf dem Erlebnis der Tat; jenem, unserem Denken ur
wüchsig und noch unzerfällt Gegebenen, von dem man schon die
toten Teile in der Hand hält, sobald man sinnliche oder seelische
Erscheinungen vor sich sieht. Und diese andere, die Welt der Er
lebungen, vermählt sich unserem Denken auch ganz anders, als die
Welt der Erscheinungen. Da ergibt sich der Zusammenhang im
Geschehen nicht in jenem ursächlichen Sinne, wie dort, wo das Einzelne
in der Art untergehen muß, ehe uns die Abfolge der Erscheinungen
aus „Gesetzen“ verständlich wird. Gleich seinen Abkömmlingen, können
wir schon das einfachste Erlebnis stets nur aus dem Zusammenhang
des Geschehens erfassen, der uns schon mit dem Erleben des letzteren
zufällt 1 Es heftet das Erlebnis gleichsam seinen Grund schon an die
eigene Gegebenheit. Und so verknüpfen sich diese Erlebnisse und ihre
Gebilde von Haus aus jenem viel verschlungenen Gewebe, als das uns
die Welt des Handelns ganz unmittelbar begreiflich ist, nach dem
Vorbilde unseres eigenen Handelns. Für unser Begreifen dieser Welt
kommen „Gesetze“ hoffnungslos zu spät. Das scheinbar Gesetzmäßige
in dieser Welt steht auf einer Stufe mit dem scheinbar Zufälligen in
der Natur: Ein gelegentliches Alpha, nicht das grundsätzliche Omega
der Erkenntnis 1 Das will sagen, es harrt gleichsam seiner Auflösung
in jenen Einen und großen Zusammenhang, den zu durchschauen hier
das letzte Ziel alles Forschens bleibt.
Dieses Reich der Tat nun ist Gemeinbesitz mehrerer Wissen
schaften. Ich deute es an einer gesonderten Stelle an, wie sich die
letzteren, unter ihnen die Nationalökonomie, nur des verschiedenen
Gesichtspunktes wegen absondern, aus dem sie jenes Einerlei be
schauen. In diesem Geiste ist die Nationalökonomie aber eine Wissen