164
„Die Herrschaft des Wortes“,
ersetzen. Es kann sich da nur um Begriffe handeln, die uns den Zu
sammenhang überblicken lassen, soweit er dem Wegeneinander und
Miteinander der Handlungen entspricht. Diese Begriffe, die zusammen
die Lösung unseres Problemes bilden, sind also nach ihrem Inhalte
lauter Spielarten des Zusammenhangs im Handeln. Auch
das besondere Wesen dieser Begriffe läßt sich im voraus absehen.
Es hängt im weiteren Sinne an einer Eigenheit aller Begriffe, die in die
Welt des Handelns einspielen. Im engeren Sinne hängt dieses Wesen
an dem Berufe, der im Geiste unseres Problemes diesen Begriffen zufällt.
In alle Natur, die uns fremd bleibt, indem sie als etwas Vor
gegebenes aus dem Erleben sich aussondert, greift unser Denken
erst hinterher mit seinen Begriffen ein, durchordnend. In der Welt
des Handelns ist es gleichsam ein und dasselbe Werden, das Begriff
und Begriffenes gebärt. Dem Denken aber steht da allemal
der Vortritt zu. Das gilt schon im Ursprünge; das inzwischen er
lebte Geschehen wird eben von unserem Denken stetig überholt, mit
neuen Begriffen, die sich dann erst im Geschehen ausleben. Ein not
wendiger Sachverhalt, der sich im einzelnen Falle verschleiern mag,
namentlich durch das trügerische Verhältnis zwischen Begriff und
Wort. Und wie schon ursprünglich der Begriff vor dem Begriffenen
da ist, so gilt auch für alle Zukunft, daß die Vollzüge des Geschehens
dem Begriffe folgen, wie die Schafe dem Hirten.
So bedeuten auch jene erwarteten Begriffe, wenigstens im grund
sätzlichen Verhältnisse, Wegweiser für unser Handeln. Das ist ihr
eines Gesicht, gleichsam dem eigenen Handeln zugekehrt. Diese Begriffe
sollen aber Anschauungen ersetzen, mit denen wir des wogenden Ge
schehens um uns geistig Herr werden. Nach ihrem engeren Berufe
also sind es Schlüssel, für das Verständnis des Alltäglichen. Von
daher das andere Gesicht dieser Begriffe, nun dem Geschehen rings
um uns zugekehrt. Diese Begriffe aber, die für unser geistiges Auge
in den Alltag hineinleuchten, weil sie unserem eigenen Handeln voran
leuchten, die nenne ich nun Formeln. Es scheint mir dieses Wort
die Sache noch am besten zu malen. Es sind aber Formeln zur
Erkenntnis des Alltäglichen, weil sie eine hilfreiche Hand
dazu bieten, wenn sich das nationalökonomische Denken hinaus-
heben will über die Alltagskenntnis, um sich selber zu finden. Nur
vergessen Sie nicht, daß unser Problem bloß der eine Schritt aus den
vielen ist, die das nationalökonomische Denken in der richtigen Folge
zu tun hat, will es der Vormundschaft des urwüchsigen Denkens ent
rinnen. Aus dem Prozesse seiner Läuterung ist nur eine einzelne
Phase herausgegriffen, wenn wir jetzt jene Formeln suchen.