Full text : Wirtschaft als Leben

Umrisse  einer  Theorie  des  Individuellen,  III.

Wohl  Dieses  entscheidet,  in  welchem  Umkreise  wir  dem  an  sich
schrankenlosen  Zusammenhang  der  Dinge  folgen,  und  bestimmt  uns,
nach  welchem  Schema  wir  aus  dem  unendlich  Mannigfaltigen  des
Wirklichen  bestimmte  Dinge  aufgreifen.  Allein,  mit  dieser  Deutung  ist
für  die  Sache  überhaupt  nichts,  für  ihren  Ausdruck  nur  soviel  gewonnen, ­
  daß  wir  ein  Wort  —  „Interesse“  —  als  Platzhalter  der
eigentlichen  Lösung  setzen.  Das  scheinbar  entscheidende  Interesse
beruft  sich  erst  noch  auf  etwas  anderes;  mag  dies  nun  sein  Anlaß,
sein  Grund  oder  die  Bedingung  sein,  unter  der  es  immer  erst  rege
wird.  Jedenfalls  drücken  wir  als  unser  Interesse  nur  die  zutage
liegende  Form  dessen  aus,  was  uns  inhaltlich  nun  erst  recht  als
Problem  erscheint.  Im  Gegensätze  zu  jenen  beiden  formalen  Voraussetzungen ­
  gemeint,  die  uns  schon  bekannt  sind,  könnte  man  hier
von  einer  inhaltlichen  Voraussetzung  des  idiographischen  Verfahrens ­
  reden.  Um  ihr  näher  zu  kommen,  schlagen  wir  abermals  den
analytischen  Weg  ein,  pressen  also  sozusagen  unser  Beispiel  noch  einmal ­
  zur  Zeugenschaft.
Wir  wissen,  nach  der  Anweisung  des  Allgemeinbegriffes  „Berg“
sind  eine  Unzahl  idiographischer  Begriffe  geformt:  „Gaurisankar“,
äSinai“,  „Brocken“  usw.,  bis  zu  unserem  „X-Berge“.  Man  könnte  allerdings ­
  mit  dem  Gedanken  spielen,  daß  dem  Allgemeinbegriffe  „Berg“
diese  idiographischen  Begriffe  ähnlich  so  vorausgehen  wie  jeglicher
Induktion  ihre  Instanzen.  Aber  diese  psychogenetische  Erwägung  halten
wir  mit  gutem  Rechte  fern.  Unter  erkenntnistheoretischem  Gesichtspunkte ­
  ist  der  Allgemeinbegriff  das  Primäre,  kraft  seiner  „formenden“ ­
  Bedeutung.  Dabei  sind  ihm  gegenüber  erst  noch  die  Kategorien
das  Primäre  ;  er  selbst  ist  nach  der  Kategorie  des  „Dinges“,  speziell
des  „Raumdinges“  geformt.  In  einer  eigentümlichen  Weise  legt  sich
nun  die  Vermutung  nahe,  daß  zur  Formung  des  Begriffes  „Berg“
die  Kategorien  gar  nicht  ausreichen;  für  ihn  scheint  vielmehr ­
  noch  etwas  anderes  von  „formender“  Bedeutung  zu  seinl
Maßgebend  dafür  ist  uns  die  Tatsache,  daß  die  Formungen  nach
dem  Schema  „Berg“  in  aller  Regel  zu  Trägern  von  Eigennamen
werden,  also  vom  Werte  idiographischer  Gebilde  sind.  Danach
scheint  es  dem  Begriffe  „Berg“  gleichsam  angeboren  zu  sein,  daß
er  in  seiner  Anwendung  auf  die  anschauliche  Wirklichkeit  Formungen
liefert,  auf  die  unser  Interesse  am  Besonderen  reagiert.  Dies  ist  gewiß
auffällig  genug,  um  die  Vermutung  aufleben  zu  lassen,  ob  nicht  schon
beider  Formung  des  Begriffes  „Berg“  das  nämliche  insgeheim
mitwirkt,  was  zugleich  unserem  Interesse  am  Besonderen ­
  zugrunde  liegt.  Hier  könnten  wir  also  der  inhaltlichen
            
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