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,Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung“,
gehörigkeit verharrt. So empfinden wir je eine Fülle physiologischer
und psychologischer Aussagen in dem Sinne als zusammengehörig, daß sie
sich einheitlich auf das „Lesen“ beziehen. In der Tat, diese pseudo
psychologischen Begriffe von der Art des „Lesens“ leisten den
wichtigen Nebendienst, daß sie der Physiologie und der Psychologie
die Probleme vorlegen! Es hängt dies notwendig damit zusammen,
daß jene Aussagen vom Typus A stets das erkenntnispsychologisch
Primäre sind. So muß es z. B. der Psychologe ankündigen, daß er
sich dem „Lesen“ zuwende, da er bloß durch ein Denken dieses Be
griffes, wie er in A enthalten ist, zu seinen eigenen Feststellungen
schreiten kann; dies gilt auch für jeden, der dem Psychologen denkend
folgen will. Der Umstand aber, daß diese pseudo-psychologischen Be
griffe der Naturwissenschaft Probleme vorzeichnen, hat mehr als alles
verschuldet, diese Begriffe überhaupt nur als Titelüberschriften, als
bloße Namen anzusehen, denen als „Sache“ immer erst das entspräche,
was in Aussagen vom Typus B oder C gefaßt erscheint!
Die drei Aussagen veranschaulichen also, sobald man A zu B und
C in Vergleich stellt, einen auffälligen Unterschied inmitten
unseres begrifflichen Denkens über die Wirklichkeit.
Dort, in Aussagen vom Typus A, ist das Denken ein duldsames
zur anschaulichen Vorstellung, fordert deren Mitschwingen heraus; es
muß also der Fülle des Anschaulichen wenigstens mittelbar g e -
wachsen sein. Dagegen ist es dem Denken in Aussagen vom
Typus B und C eigen, daß es die anschauliche Vorstellung zurück
drängen muß, um das Erlebte in Begriffe umzusetzen. Zugleich hört
sich eine Aussage vom Typus A wie ein Zusammenfassen jener
Fülle des Anschaulichen an, die im Erlebnis beschlossen ist; die Aus
sagen nach den anderen Typen dagegen wie ein Herausgreifen
von Einzelheiten aus jener Fülle. So könnte man sagen, daß in
A ein synthetisch einsetzendes Denken rege ist, weil alle weiteren
Aussagen über das gleiche Erlebnis umgekehrt nur auf analytischem
Wege möglich werden, ganz so, als müßte man sie aus A heraus
schälen. Dagegen wären B und C von einem analytisch einsetzenden
Denken getragen; denn alle weiteren Aussagen stellen sich hier der
ersten an die Seite, werden aber ganz so als zusammengehörig
empfunden, als ob eine Synthese vor sich ginge.
So sind also vor dem nämlichen Erlebnis zweierlei Aussagen
vollziehbar, die sich ihrem begrifflichen Denken nach sehr deutlich
voneinander abheben. Daraus läßt sich der Schluß ziehen, daß es zu
einer doppelten Stellungnahme führen kann, sobald wir
uns in der Absicht begrifflichen Denkens gegen das