Full text: Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

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durch das Kartell festgelegt, so ist damit die Absatzmöglichkeit gegeben. 
Wie tief die einzelnen Kartellmitglieder ihre Preise auf den Auslands 
märkten unter den Inlandspreis senken können, ohne im ganzen mit 
einem Verlust abzuschneiden, hängt — wenn wir einmal von den Kon 
junkturen im Ausland absehen — einerseits ab von dem Verhältnis ihres 
Inlandsabsatzes zu ihrer Leistungsfähigkeit, andererseits von der Größe 
der Spannung zwischen Inlandspreis und den Produktionskosten, die 
sie bei voller Ausnutzung ihrer Anlagen erreichen. Die Werke werden 
aber bereit sein, im Notfälle die Auslandspreise noch tiefer zu senken, also 
mit Verlust zu arbeiten, wenn eine teilweise Stillegung ihrer Anlagen 
noch größere Verluste verursacht. 
Das Preisproblem ändert sich nicht, wenn sich die Tätigkeit des 
Kartells auf den Auslandsmarkt erstreckt, wenn die Preise für die ein 
zelnen Verkäufe nach den verschiedenen fremden Absatzgebieten direkt 
von der Kartellzentrale festgesetzt werden. Die Erreichung des Zieles 
ist nur insofern erleichtert, als der Wettkampf der Kartellmitglieder auf 
den Auslandsmarkt ausgeschaltet ist. Sie bleibt aber trotzdem schwierig 
genug, wie das folgende Beispiel zeigt: Die Auslandsverkäufe zu außer 
ordentlich niedrigen Preisen werden für die Zeit vor der Gründung des 
Stahlwerksverbandes von den gemischten Werken zugegeben. Der Stahl 
werksverband mußte nach seiner Gründung, damit seine Werke rentabel 
arbeiten konnten, 25—30% seiner Gesamtproduktion im Auslande unter 
bringen. Solange der Kampf der Stahlwerke untereinander auf dem 
Auslandsmarkt geherrscht hatte, waren die Preise für deutsches Halb 
zeug auf dem englischen Markt 5, 6 und mehr Schillinge unter die No 
tierungen der englischen herunter gegangen. Nachdem der Stahlwerks 
verband gegründet, also die innere Konkurrenz ausgeschaltet war, wurden 
die Preise für Halbzeug erhöht. Die Hoffnung, die neuen Preise halten 
zu können, erwies sich aber als trügerisch, da die amerikanische Kon 
kurrenz nun mit großer Schärfe einsetzte. In Amerika schlug im Mai 
1903 die Hochkonjunktur des Jahres 1902 um. Die Roheisenerzeugung 
sank bis zum Schlüsse des Jahres auf die Hälfte, von 1713614 t im Mai 
auf 846606 t im Dezember. Trotzdem führte Amerika im Jahre 1902 
nur 5445 t Halbzeug aus. Als Grund werden die niedrigen Preise ange 
geben, die infolge des Wettkampfes der deutschen Werke untereinander 
auf dem Weltmärkte herrschten. Die Preiserhöhung des Stahlwerks 
verbandes trug nicht wenig dazu bei, den Amerikanern die Wege zu ebnen. 
Ein neuer Wettkampf entspann sich, dieses Mal zwischen Deutschen und 
amerikanischen Stahlwerken. Die deutschen wurden von dem haupt 
sächlich in Betracht kommenden englischen Markt verdrängt. Infolge 
dessen sah sich der Verband genötigt, seine Preise, um die verlorene Stel-
	        
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