Full text : Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

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Streben  des  Starken,  durch  Herabdrücken  der  Kosten  und  Ausdehnung
der  Erzeugung  den  Ertrag  auf  der  alten  Höhe  zu  halten  oder  sogar  zu
steigern,  mußte  dem  Schwachen  noch  mehr  die  Luft  zum  Atmen  nehmen.
Nur  eine  allgemeine  Nivellierungspolitik  konnte  die  Starken  niederhalten.
Beim  Rohstoffbezug  aus  der  Ferne  sorgten  die  Zünfte  dafür,  daß
alle  Mitglieder  gleichen  Vorteil  erlangten.  Da  die  Gesellenlöhne  einen
wichtigen  Teil  der  Produktionskosten  ausmachten,  mußten  sie  festgelegt
werden.  Wo  nicht  die  Größe  der  Erzeugung  direkt  ziffermäßig  begrenzt
wurde,  suchte  man  sie  indirekt  einzuengen  durch  die  Bestimmung,  wieviel
Gesellen  und  Lehrlinge  jeder  halten  dürfe.  Da  die  Kosten,  die  Größe  der
Erzeugung  und  nicht  zuletzt  auch  die  Qualität  der  Waren  von  dem  technischen ­
  Verfahren  abhingen,  wurde  auch  dies  bindend  für  alle  Mitglieder
festgelegt.  Niemand  durfte  von  Handwerksgebrauch  und  -gewohnheit
abweichen 1 ).  Endlich  war  auch  der  Absatz  so  reguliert,  daß  jedes  Zunftmitglied ­
  die  gleichen  Chancen  auf  dem  Markt  hatte  und  die  Kunden  die
Waren  aller  Produzenten  miteinander  vergleichen  konnten.
Daß  anfangs  unter  den  Zünften  eine  hohe  Blüte  des  Handwerks  geherrscht ­
  hat,  ist  eine  bekannte  Tatsache.  Aber  je  schwieriger  es  wurde,
das  Angebot  mit  der  Nachfrage  in  Einklang  zu  bringen,  desto  rigoroser
wurde  die  Handhabung  der  Zunftmittel,  vor  allem  aber  die  Ausgestaltung
und  die  Anwendung  der  Bestimmungen,  die  ursprünglich  helfen  sollten,
einen  geeigneten  Nachwuchs  zu  erziehen.  Sie  wurden  zur  Schikane,  die
den  Zudrang  zu  den  Gewerben  fast  vollständig  unterbanden.
So  sehen  wir,  wie  die  Zünfte  machtvolle  Organisationen  darstellten,
die  das  Interesse  der  Gesamtheit  der  Handwerker  vertraten,  sie  waren
Interessenten  verbände  mit  dem  Ziele  einer  angemessenen  Verteilung  der
Aufträge.  Sie  sollten  ihren  Mitgliedern  die  Erlangung  eines  auskömmlichen
Lebensunterhaltes  sichern.  Gleichzeitig  aber  waren  die  Zünfte  auch  Organe
der  öffentlichen  Verwaltung  und  als  solche  fiel  ihnen  die  Aufgabe  zu,  das
Interesse  der  Konsumenten  zu  vertreten,  dafür  zu  sorgen,  daß  für  gutes
Geld  auch  gute  Ware  geliefert  wurde.  Die  Produzentenorganisation  war
mit  der  Wahrung  der  Interessen  der  Konsumenten  betraut.  Das  kann  nicht
wunderbar  erscheinen.  Die  Stadt  bildete  eine  geschlossene  Produktionsund ­
  Konsumtionsgemeinschaft,  der  Bezug  aus  der  Fremde  war  gering.
Jedes  Mitglied  einer  Zunft  war  Produzent,  aber  zugleich  auch  Konsument
zahlreicher  Produkte  anderer  Zünfte.  Hier  zeigte  die  Kleinheit  der  wirtschaftlichen ­
  Verhältnisse  deutlich,  daß  Produzenteninteressen  und  Konsumenteninteressen ­
  sich  ausgleichen  müssen.  Wo  dieser  Ausgleich  dauernd
gestört  wird,  fällt  schließlich  der  Nachteil  auf  den  Störer  zurück.  Jede

J )  Pohle  a.  a.  O.  S.  53.
            
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