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einseitige Vertretung des Produzenteninteresses rief die Gefahr hervor,
daß jedes Zunftmitglied von den Maßnahmen der anderen Zünfte getroffen
wurde. Und dennoch schreckten die Zünfte nicht vor der einseitigen
Wahrung ihrer Interessen zurück, je mehr sich die wirtschaftliche Lage
verschlechterte. Wie die Stadt in ihrer Marktpolitik dem Lande gegenüber
einseitig den Konsumentenstandpunkt vertrat, so stellten die Zünfte ihren
Abnehmern gegenüber schließlich einseitig den Produzentenstandpunkt in
den Vordergrund.
Alle Versuche der Zünfte, Angebot und Nachfrage in Einklang zu
setzen, zielten auf eine Anpassung, eine Einschränkung des Angebots
ab. Die Anpassung, die Ausdehnung, der Nachfrage hätte in der Hauptsache
vom Lande ausgehen müssen. Sie war infolge des Standes der
landwirtschaftlichen Betriebstechnik sowie der Transporttechnik nur
möglich, wenn die Städte bereit waren, höhere Preise für die landwirtschaftlichen
Produkte zu bewilligen. Die Marktpolitik der Städte aber
zielte auf eine Tiefhaltung der Preise hin, wodurch die ländliche Nachfrage
gedrückt und jeder Anreiz zu einem betriebstechnischen Fortschritt unterbunden
werden mußte. Auf der anderen Seite sorgten wieder die Zünfte
durch ihre Nivellierungspolitik, daß auch hier jedes Streben nach Fortschritt
und Senkung der Produktionskosten ausgemerzt wurde. Die
einzige Möglichkeit, die Preissteigerung agrikoler Produkte auszugleichen
durch die Preissenkung gewerblicher Erzeugnisse, war damit genommen.
Somit blieb nur der Weg offen, den die Zünfte einschlugen, ihren Mitgliedern
einen bescheidenen Lebensunterhalt zu sichern: Sperrung des
Mitgliederzuwachses und Aufteilung der Nachfrage durch weitgehende
Regulierung jeder wirtschaftlichen Tätigkeit ihrer Mitglieder.
War der Anfang der Periode der Stadtwirtschaft gekennzeichnet
durch den großen Produktivitätsfortschritt im Gewerbe und der Landwirtschaft,
so beobachten wir in ihrem Verlauf einen allgemeinen Stillstand,
ja teilweise einen Rückschritt der Produktivität in den beiden
großen Wirtschaftsgebieten.
Fragen wir uns nun, wann die aus dem Mittelalter überkommene
Gebundenheit wieder durch einen Zustand gewerblicher Freiheit ersetzt
werden konnte, so ergibt sich die Antwort von selbst, nämlich: dann, wenn
gewaltige Produktivitätsfortschritte wiederum das ganze Wirtschaftsleben
auf eine neue Basis stellten, wie zu Anfang des Mittelalters, wenn eine
andauernde Produktivitätssteigerung in Landwirtschaft und Gewerbe,
Handel und Verkehr eine solche Extensivierung und Intensivierung des
Marktes hervorrief, daß immer wieder die Nachfrage nicht durch das Angebot
befriedigt werden konnte, wenn sich infolge jener Fortschritte der