Full text : Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

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städtischen  Handwerker,  sondern  auch  ganz  besonders  auf  den  bäuerlichen
Hausfleiß  stützte  sich  das  Verlagsystem 1 ).
Die  Anfänge  dieser  Bestrebungen  fallen  bereits  ins  13.  und  14.  Jahrhundert ­
  und  vom  16.—19.  Jahrhundert  spielte  die  Hausindustrie  eine
große  Rolle  und  genoß  in  der  Zeit  des  Merkantilismus  eine  besondere
Förderung  der  Regierungen.  Die  Gegenden  mit  aufblühender  Hausindustrie ­
  waren  die  reicheren  gegenüber  jenen  mit  lokalem  Absatz.  Der
Versand  der  schlesischen  Leinenindustrie  ging  im  18.  Jahrhundert  nach
Holland,  England,  Spanien  und  Westindien.  Aber  straffe  Organisation
war  die  Basis  der  Blüte  und  die  Zünfte  lieferten  zum  Teil  das  Vorbild.
Der  Fernverkehr  war  mit  großen  Gefahren  verknüpft  und  mußte  mit
langen  Transportzeiten  rechnen.  Die  bescheidenen  Hilfsmittel  erlaubten
nicht  einen  sicheren  Überblick  über  die  Aufnahmefähigkeit  der  fremden
Märkte  und  den  Wechsel  ihrer  Kaufkraft.  Dieses  Risiko  des  Absatzes
vermochte  der  Verleger  nur  zu  tragen,  wenn  er  wenigstens  beim  Bezug
der  Waren  mit  festen  gegebenen  Verhältnissen  rechnen  konnte.  Seine
Beziehungen  zu  den  einzelnen  Handwerkern  verlangten  eine  Regelung.
Umgekehrt  hing  die  Existenz  der  Hausindustriellen  vom  Verleger  und
seinen  Erfolgen  ab.  Man  hat  die  Hausindustrie  den  dezentralisierten
Großbetrieb  genannt.  Im  zentralisierten  Großbetrieb  wird  durch  die
Fabrikordnung  das  Verhältnis  zwischen  Unternehmer  und  Arbeiter  geregelt. ­
  Der  Fabrikordnung  entsprach  in  der  Hausindustrie  zu  einem  guten
Teil  die  Organisation  zwischen  Verleger  und  Handwerker.  Darüber  hinaus
aber  war  sie  eine  Konkurrenzregulierung  sowohl  der  Verleger  wie  auch
der  Hausindustriellen  untereinander.  Die  Konkurrenzregulierungen  aber
beweisen,  wie  wenig  die  Markterweiterung  imstande  war,  das  Verhältnis
von  Angebot  und  Nachfrage  dauernd  zugunsten  des  Angebots  zu  wenden.
Wir  sehen  aber  auch,  daß  sich  der  selbständige  handwerksmäßige  Betrieb ­
  nicht  zur  Befriedigung  eines  vergrößerten  Marktes  eignet.  Das  mittelalterliche ­
  Handwerk,  das  Zusammenarbeiten  von  Meistern  und  einigen
wenigen  Gesellen  und  Lehrlingen,  ist  die  ausgesprochene  Organisationsform ­
  der  Produktionsstätten  des  lokalen  Marktes.  Die  selbständige
Produktionsstätte  für  den  interlokalen  Markt  verlangt  eine  neue  Organisationsform. ­
  So  entstand  neben  dem  Verlagsystem  die  Manufaktur, ­
  der  Fabrikbetrieb,  der  zentralisierte  Großbetrieb.  Unter  einx

 )  Sombart  a.  a.  O.  Bd.  2  S.  130:  „Was  von  der  ländlichen  Zuwachsbevölkerung
nicht  auf  Neuland  abgeschoben  werden  konnte,  mußte,  soweit  nicht  eineHerabdrückung
des  Lebensstandards  als  Auskunftsmittel  gewählt  wurde,  bei  der  geringen  Aufnahmefähigkeit ­
  der  Städte  und  der  geringen  Entwicklung  der  landwirtschaftlichen  Technik
durch  Verwertung  seiner  Arbeitskräfte  mittels  gewerblicher  Tätigkeit  sich  am  Leben
zu  erhalten  suchen."
            
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