Full text : Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

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staltet  sich  nun  unter  dieser  Markterweiterung  die  Entwicklung  des  Gewerbes ­
  ?
Da  durch  die  Gewerbefreiheit  der  städtische  Zunftzwang  aufgehoben
war,  nahm  die  Besiedlung  des  Landes  mit  Handwerksmeistern  zu;  diese
Bewegung  steigerte  sich  mit  der  wachsenden  Kaufkraft  des  Landes.  Das
Handwerk  dehnte  sich  in  der  ersten  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts  noch  aus.
Die  Markterweiterung  war  aber  nicht  minder  der  ländlichen  Hausindustrie
günstig.  „Viele  von  diesen  waren  erst  im  zweiten  Viertel  des  Jahrhunderts
so  recht  zur  Blüte  gekommen,  und  manche  waren  noch  im  Wachsen  begriffen ­
 1 )."  Dagegen  sehen  wir  bis  etwa  zur  Mitte  des  Jahrhunderts  die
Fabrikbetriebe  nur  sehr  langsam  an  Boden  gewinnen.  Die  neue  Technik
kommt  nur  in  geringem  Ausmaß  zur  Anwendung.
In  der  Eisenindustrie  herrschte  noch  die  Benutzung  der  Holzkohle
vor.  In  Preußen  verwendeten  1847  von  227  damals  in  Betrieb  befindlichen
Hochöfen  erst  32  Koks 2 ).  Die  Leistungsfähigkeit  der  Hochöfen  war  gering.
Nach  den  Angaben  von  Mischler  produzierte  um  die  Mitte  des  Jahrhunderts ­
  ein  englischer  Hochofen  jährlich  70000  Zentner,  ein  deutscher
7000  Zentner 3 ).  Der  Puddelprozeß  war  erst  in  den  20er  Jahren  in  den
einzelnen  Revieren  der  deutschen  Eisenindustrie  eingeführt  worden  und
gewann  nur  langsam  Boden.  Er  hatte  das  alte  Frisch  verfahren  noch
längst  nicht  verdrängt  zu  einer  Zeit,  wo  in  England  —  Mitte  der  50er
Jahre  —  ein  ganz  neues  Verfahren,  der  Bessemerprozeß,  aufkam.  In
der  Textilindustrie  lag  damals  das  Schwergewicht  in  der  Leinenerzeugung.
Die  Herstellung  von  Baumwoll-  und  Wollwaren  trat  dagegen  erheblich
zurück.  Die  mechanischen  Spinnmaschinen  fanden  in  den  Flachsspinnereien ­
  nur  langsam  Eingang.  Der  Kampf  der  Handspinner  mit  der  Maschinenspinnerei ­
  erreichte  seinen  Höhepunkt  in  den  40er  Jahren.  In
der  Baumwollspinnerei  dagegen  hatten  die  mit  Wasserkraft  betriebenen
Spinnmühlen  schon  im  zweiten  Jahrzehnt  des  19.  Jahrhunderts  gesiegt.
In  der  Weberei  begann  der  Kampf  der  Fabrik  mit  den  Handwebern  erst
in  den  50er  Jahren.  Über  die  Verwendung  von  Dampfmaschinen  berichtet ­
  Sombart 4 ):  „Die  Zahl  der  Dampfmaschinen  für  gewerbliche  und
landwirtschaftliche  Zwecke  betrug  1846  im  Königreich  Sachsen  197  mit
zusammen  2446  Pferdestärken.  In  ganz  Preußen  wurden  1846  erst  1139
stehende  Dampfmaschinen  mit  21716  PS.  gezählt,  die  sich  auf  die  einzelnen
Industriezweige  also  verteilten:  Spinnerei,  Weberei,  Walkerei  237  mit

9  Sombart,  Der  moderne  Kapitalismus  Bd.  II  S.  131,  ebenso  Bd.  I  S.  429.
2 )  Pohle,  Die  Entwicklung  S.  13.
3 )  Sombart,  Der  moderne  Kapitalismus  Bd.  I  S.  428.
4 )  Sombart,  Der  moderne  Kapitalismus  Bd.  I  S.  431.
            
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