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Industrieprodukte. Endlich wirkte auch die Vermannigfaltigung der
Erzeugung durch das Auftauchen ganz neuer Industriezweige belebend
auf die Kaufkraft des Marktes ein. So gestaltete sich die Marktlage für
industrielle Produkte während der Entwicklung der deutschen Industrie
von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis gegen Ende der 70er Jahre.
Der Markt und die Technik waren gegeben, notwendig war noch ein
tatkräftiges Unternehmertum, das die vielen Chancen erkannte und nutzte.
Daß jenes Unternehmertum da war, beweisen manche unserer ersten
industriellen Werke, die teils in jener Zeit gegründet wurden, teils sich
durchzusetzen verstanden. Aus fast handwerksmäßigen Anfängen haben
sie sich mit dem wachsenden Markt zu machtvollen Unternehmungen
entwickelt.
Durch die Niederlegung der inneren Zollschranken war zwar ein
nationaler Markt geschaffen; sollte er aber einer wachsenden Industrie
als Basis dienen, dann mußten die Transportschwierigkeiten möglichst
reduziert werden. England hatte den Vorzug der Insellage und einer
vielgegliederten Küste, ergänzt durch Flüsse und Kanäle, so daß zu Schiff
ein weit reichender billiger Verkehr zur Verfügung stand. Auch ohne
Eisenbahnen war der Industrie eine verhältnismäßig leichte Eroberung
des Marktes gegeben. Deutschlands Industrie bedurfte dagegen in erster
Linie einer Verbilligung des Landverkehrs. Die Schaffung des Eisenbahnnetzes
war also eine wichtige Voraussetzung der Industrieentwicklung.
Andererseits hat auch der Bau der Bahnen der neuen Industrie eine starke
Nachfrage gesichert. Nach der Eröffnung der ersten deutschen 6 km
langen Eisenbahn im Jahre 1835 hatte sich die Bahnlänge bis 1850 auf
über 6000 km ausgedehnt. Aber erst seit Mitte der 50er Jahre wurde der
Zusammenhang zwischen den einzelnen Gruppen hergestellt und so ein
wirkliches Eisenbahnnetz gesichert, das bis 1875 bereits auf 27931 km
angewachsen war. 1912 belief sich die Bahnlänge auf über 60000 km.
Auf allen Gebieten setzte sich jetzt die neue Technik durch, stieg
die Produktivität der Arbeit. In der Eisenindustrie überholte das Koksroheisen
rasch das Holzkohlen eisen, es betrug in Preußen 1861 das Holzkohleneisen
8,33% und 1870 nur noch 2,26% der gesamten Roheisenerzeugung
1 ), und die Eisenerzeugung hatte sich von 1840—1870 auf nicht
weniger als das iofache erhöht * 2 ). In der Textilindustrie war schon in
den 60er Jahren der Sieg des geschlossenen Maschinenbetriebes über den
Handbetrieb entschieden. Die Maschinenindustrie blühte mächtig auf.
1861 beschäftigte sie im Zollverein erst etwas über 51000 Personen, 1882
*) Beck a. a. O. Bd. V S. 261.
2 ) Pohle, Die Entwicklung S. 13.