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waren es 356000. Dem Bedarf an Erzen und Kohlen entsprechend hob
sich die Montanindustrie. Es begannen sich die chemische Industrie, die
Porzellanfabrikation, die Papierfabrikation und andere Industrien kräftiger
zu entfalten. Aber dieses rasche Aufblühen vollzog sich ohne Privilegien
und Unterstützungen unter voller freier Konkurrenz der neuen
Unternehmungen mit der Hausindustrie und dem Handwerk und überall
zeitigte der unbeschränkte Wettkampf den Fortschritt. Für tatkräftige
Naturen war Raum genug zur wirtschaftlichen Betätigung. So folgte
auch hier im großen ganzen die offizielle Einführung der Gewerbefreiheit
durch die zahlreichen Gewerbegesetze der einzelnen deutschen Staaten
zwischen 1860 und 1866 und die Gewerbeordnung des Norddeutschen
Bundes, die das Deutsche Reich übernahm, den tatsächlichen Verhältnissen.
Sie räumte die Reste der alten Zunftverfassung hinweg, das
letzte schwache Hindernis, das den Siegeszug des Großbetriebes zu erschweren
vermochte.
Seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts nahm die industrielle
Entwicklung ein immer schnelleres Tempo an. Das war nur möglich,
wenn sich der Markt für industrielle Produkte außerordentlich erweiterte.
Bis in die 70er Jahre stützte sich die Industrie fast ausschließlich auf
den heimischen Markt. Auch ihre weitere Ausdehnung wurde wesentlich
durch den wachsenden inländischen Bedarf getragen. Die Ausgestaltung
des Verkehrswesens, die Zusammenballung der wachsenden Bevölkerung
in den Städten, die Wohnungskultur, sowie der steigende Aufwand der
Städte für die mannigfachen Bedürfnisse, der stete Modenwechsel, die nie
rastenden technischen Fortschritte — es sei nur an die Elektrizitätsindustrie
erinnert, die 1882 noch kaum existierte, 1895 bereits 15000 und
1907 sogar 142000 Menschen beschäftigte — der enorme Bedarf für Heer
und Marine gaben der Industrie reichlich Nahrung. Aber der inländische
Markt allein würde den Eilschritt der Industrialisierung nicht ermöglicht
haben, er wurde unterstützt durch mächtige Faktoren, die vom Auslande
ausgingen.
Seit Ende der 70er Jahre trat die amerikanische Konkurrenz auf
dem Getreidemarkt auf. Die amerikanische Landwirtschaft hatte, und
hat es zum Teil noch heute, infolge der extensiven Wirtschaftsweise mit
erheblich niedrigeren Produktionskosten zu rechnen, als die Landwirtschaft
derjenigen europäischen Länder, die durch die wachsende Volksziffer
zur steigenden Intensivierung des Betriebes gezwungen sind. Sobald
nun die Frachtsätze im Überseeverkehr durch die Verbesserungen der
Dampfschiffahrt hinreichend tief gesunken waren, konnte die Beschickung
der europäischen Märkte mit amerikanischem Getreide mit Gewinn unternommen
werden. Jeder weitere Fortschritt in der Verbilligung des Trans