Metadata: Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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— man denke z. B. an die Amsturzvorlage, die Lex Recke, das Zucht 
hausgesetz — in der Folge entweder ganz beseitigt oder im Sinne oder 
wenigstens in der Richtung des Protestes abgeändert worden, und ebenso 
sind gesetzgeberische Maßnahmen ganz oder teilweise verwirklicht worden, 
zugunsten deren die Berliner Arbeiter demonstriert haben. 
Selbstverständlich waren in den meisten dieser Fälle die Berliner De 
monstrationen nicht die einzigen im Lande, aber sie waren in den häufigsten 
Fällen die bei weitem größten und wirkungsvollsten, und gewöhnlich war es 
auch Berlin, das den anderen Ortschaften das Signal gab. Aber den Anteil 
nun, den die Demonstrationen an der Gestaltung des Schicksals der einzelnen 
gesetzgeberischen Maßnahmen hatten, werden die Schätzungen auseinander 
gehen, in dem einen oder anderen Fall wird man ihn vielleicht äußerst 
gering ansetzen müssen. Aber damit würde der allgemeine Wert der 
Demonstrationen noch nicht verneint werden. Wie vielfach in Natur und 
Wirtschaft, so braucht es auch in der Politik oft des Zusammenwirkens 
sehr vieler Kräfte, sehr viel scheinbarer Verschwendung, um bestimmte 
Resultate zu erzielen. 
2. Demonstrationen an die Adresse der Behörden. 
Zum Teil noch an die Gesetzgebung, vornehmlich aber an die städtische 
Verwaltung und die Staatsbehörden als Verwaltungsorgane richteten sich 
die Demonstrationen, die in Zeiten größeren Geschäftsdrucks meist in Form 
von Versammlungen von Arbeitslosen stattfanden und von den be 
zeichneten Körperschaften Abhilfe verlangten. Diese Versammlungen 
waren fast ausnahmslos sehr stark besucht und führten, da die Polizei bei 
ihnen ganz besonders scharf aufzutreten pflegte, während der Zustand der 
Arbeitslosigkeit naturgemäß die Gemüter der unter ihm Leidenden nicht kalt 
läßt, wiederholt zu Zusammenstößen von Deinonstrierenden mit der Polizei. 
Schon das Jahr 1891 sah in seinem Beginn solche Arbeitslosen 
versammlungen. Der Geschäftsausschwung, der um das Jahr 1888 ein 
gesetzt hatte, hatte nicht lange vorgehalten. Verschärft, wenn nicht zum 
Teil verursacht durch das damalige starke Steigen der Getreidepreise stellte 
sich schon im Laufe des Jahres 1890 neuer Geschäftsdruck ein und mit 
ihm ganz besonders während des Winters bittere Not bei den Beschäftigungs 
losen. Es fanden daher am 13. Januar 1891 in zwei großen Sälen 
Berlins Arbeitslosenversammlungen statt, die ungemein stark besucht waren 
und Resolutionen annahmen, in denen die Zahl der Arbeitslosen Berlins 
aus 70 000 angegeben wurde. Die Resolutionen stellten an die Behörden 
die Forderung, durch beschleunigte Inangriffnahme schon beschlossener 
und notwendiger Bauten, Beschäftigung von Arbeitslosen bei der Straßen 
reinigung usw. der Arbeitslosigkeit zu steuern und zur Linderung der Not 
wenigstens den Kindern in den Volksschulen täglich zwei Portionen warmes 
Essen verabfolgen zu lassen. Die Resolution kam in Forin einer Petition 
am 22. Januar vor die Stadtverordnetenversammlung, ward aber von 
dieser mit großer Mehrheit abgelehnt, worauf am 28. Januar von neuem 
zwei Arbeitslosenversammlungen — die eine in der Lippsschen Brauerei im 
Nordosten, die andere in der Bockbrauerei im Süden Berlins — statt 
fanden, welche beide noch stärker besucht waren als die ersten, und sich mit 
der Widerlegung und Zurückweisung der Einwände befaßten, die von den 
Bernstein, Berliner Geschichte. III. ^
	        
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