Full text : Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

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das  Gewerbe  bis  zu  einem  gewissen  Grade  in  die  Lage  versetzt,
diesem  Drang  zu  folgen,  da  mit  wachsender  Produktenmenge  auch  die
Kaufkraft  der  gewerblichen  Produzenten  untereinander  wächst.  Aber
der  Kaufkraftzuwachs  des  Hauptpartners  des  Gewerbes,  der  Landwirtschaft ­
  vermochte  mit  der  Produktivkraft  des  Gewerbes  nicht  Schritt  zu
halten.
Die  Erzeugung  der  agrarischen  Nahrungsmittel-  und  Rohstoffe  wuchs
mit  der  Besiedlung  der  überseeischen  Länder  rasch  an.  Die  Kurve  des
Kaufkraftzuwachses  stieg  zunächst  schnell  empor,  mußte  sich  aber  mit
zunehmender  Besiedlung  und  nach  der  Okkupierung  der  fruchtbarsten  und
am  günstigsten  gelegenen  Flächen  notwendig  verflachen.  Sehen  wir  einmal ­
  von  den  vorübergehenden  Schwankungen  der  Ernten  und  Konjunkturen ­
  ab,  so  verlaufen  die  agrarischen  und  gewerblichen  Produktionskurven ­
  in  verschiedener  Richtung.  Nachdem  die  Vervollkommnung  der
Transportmittel  einen  internationalen  Verkehr  landwirtschaftlicher  Erzeugnisse ­
  auf  breiter  Grundlage  erlaubten,  stieg,  wie  wir  sahen,  die  agrarische ­
  Produktionskurve  rasch  empor,  um  sich  dann  zu  verflachen.  Die
gewerbliche  Produktionskurve  hob  sich  nach  der  Einführung  der  modernen
Technik  erst  langsam,  um  mit  der  fortschreitenden  Vervollkommnung  des
Maschinenwesens  immer  rascher  zu  steigen.  Dabei  fällt  der  rasche  Aufstieg
der  agrarischen  Kurve  zeitlich  etwas  vor  der  schnellen  Hebung  der  gewerblichen ­
  Kurve.  In  dieser  Periode  mußten  die  Absatzverhältnisse  für  das
Gewerbe  überall  dort  günstig  liegen,  wo  nicht  der  gewerbliche  Produktionsapparat ­
  infolge  einer  übertriebenen  Hochkonjunktur  weit  über  das  normale
Maß  ausgeweitet  worden  war,  wie  z.  B.  in  Deutschland  durch  den  glänzenden ­
  Aufschwung  Anfang  der  siebziger  Jahre.  Die  Lage  hatte  sich  aber  bereits ­
  verschoben,  als  Deutschland  den  Anschluß  an  die  Weltwirtschaft
vollzogen  hatte.  Der  Aufstieg  der  gewerblichen  Kurve  überholte  die
agrarische.
Diese  Wandlung  wurde  zunächst  verdeckt  durch  die  anhaltende,
lebhafte  Hochkonjunktur  in  der  zweiten  Hälfte  der  neunziger  Jahre  des
vorigen  Jahrhunderts,  durch  die  wachsende  Kaufkraft  der  nichtagrarischen
Kreise  vor  allen  der  gewerblichen  Produzenten  untereinander  und  der
Kommunen  und  Staaten.  Es  spielte  mit  das  wachsende  Wohnungsbedürfnis ­
  der  steigenden  sich  zusammenballenden  Bevölkerung.  Diese
Wandlung  mußte  am  deutlichsten  gefühlt  werden  in  den  Industriekreisen,
deren  Erzeugungskraft  am  stärksten  emporschnellte.  Aus  dem  Munde
eines  der  berufensten  Vertreter  der  deutschen  Eisenindustrie  hörte  ich
den  Ausspruch,  daß  sich  die  Eisenindustriellen  über  die  Aufnahmefähigkeit
des  Weltmarktes  getäuscht  hätten;  ein  neues  Stahlwerk  mehr  falle  schon
schwer  ins  Gewicht.  Dieser  Ausspruch  bezog  sich  nicht  auf  ein  Krisenjahr,
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