Full text : Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

59

stehenden  Produktionsstätten,  sondern  zu  ihrer  Vermehrung.  Mit  der
Macht  der  kombinierten  Unternehmungen  wächst  zugleich  die  Größe  des
Angebots:  eine  doppelte  Verschärfung  des  Wettkampfs  ist  die  Folge.
In  keinem  Industriezweig  vermittelt  die  Kombination  solche  technische ­
  Vorteile  wie  in  der  Eisenindustrie.  In  großen  Zügen  seien  sie
hier  geschildert.  Früher  standen  selbständig  neben  einander  Hochöfen,  Stahlwerke ­
  und  Walzwerke.  Das  im  Hochofen  gewonnene  Roheisen  wurde  erkaltet ­
  den  Stahlwerken  zugeführt,  dort  von  neuem  eingeschmolzen  und  in
Rohstahl  verwandelt.  Die  erkalteten  Rohstahlblöcke  wurden  von  neuem
auf  Schweißtemperatur  erhitzt  und  zum  Teil  zu  schweren  Profilen,  Schienen,
Trägern,  Schwellen,  zum  Teil  zu  Halbzeug  ausgewalzt.  Das  an  die  Walzwerke ­
  verkaufte  Halbzeug  wurde  wiederum  in  Schweißöfen  erhitzt,  ehe  es
in  den  verschiedenen  Walzstraßen  zu  Fertigwaren  ausgewalzt  werden
konnte.  Sehr  bald  fanden  die  Stahlwerke  ein  Verfahren,  die  Hitze  des
flüssigen  Rohstahls  auszunutzen,  ohne  neuen  Aufwand  von  Brennstoffen
die  schweren  Walzprodukte  herzustellen.  Die  Trennung  von  Hochofen,
Stahlwerk  und  Walzwerk  hatte  aber  noch  immer  eine  dreimalige  Erhitzung
des  Rohstoffes  zur  Folge.  Das  Ziel  mußte  sein,  auch  diesen  dreifachen
Brennstoffaufwand  zu  sparen.  Liegen  die  drei  Werke  örtlich  nahe  beieinander ­
  und  stehem  sie  unter  einheitlicher  Leitung,  dann  kann  die  im  Hochofen ­
  erzeugte  Hitze  ausgenutzt  werden.  Das  flüssige  Roheisen  wird  dem
Stahlwerk  zugeführt  und  hier  ohne  nochmalige  Erhitzung  in  denBessemer-,
Thomas,  oder  Martinanlagen  in  Flußstahl  verwandelt  und  in  große  bis  zu
drei  Tonnen  fassende  Formen  gegossen.  Diese  Blöcke  läßt  man  —  damit
sich  ihre  Hitze  im  Innern  wie  an  den  Außenseiten  gleichmäßig  abkühlt  —
in  unterirdischen  Ausgleichsgruben  bis  zur  Walztemperatur  erkalten.  Haben
sie  diese  Temperatur  erreicht,  so  werden  sie  auf  der  sogenannten  Blockstraße ­
  auf  geringere  Dimensionen  herabgewalzt  und  zwar  zu  Blöcken,
wenn  schwere  Profile,  zu  Brammen,  wenn  Grobbleche  hergestellt  werden
sollen.  Die  Blöcke  und  Brammen  können  sofort,  ohne  jeden  Aufwand  von
Brennstoff  zu  Fertigwaren  ausgewalzt  werden,  also  zu  Schienen,  Trägern,
Schwellen  einerseits,  zu  Grobblechen  andererseits.  Zum  Teil  werden  die
Blöcke  aber  zu  Halbzeug  für  feinere  Sorten,  zu  Knüppel  (für  leichtere  Stabeisenprofile) ­
  und  Platinen  (für  Feinbleche)  herabgewalzt.  Dieses  Halbzeug
hat  nicht  mehr  die  Temperatur,  um  daraus  sofort  Fertigwaren  hersteilen ­
  zu  können.  Während  nun  die  reinen  Walzwerke  das  völlig  erkaltete
Material  auf  die  Walztemperatur  erwärmen  müssen,  genügt  im  Stahlwerk
ein  verhältnismäßig  geringes  Nachwärmen  des  noch  heißen  Halbzeugs,  um
es  zu  Fertigwaren  auszuwalzen.  Die  im  Hochofen  gewonnene  Hitze  reicht
also  fast  aus,  auch  die  feineren  Walzprodukte  herzustellen.
Damit  ist  aber  die  Kraft  der  Brennstoffe,  die  den  Hochöfen  zugeführt
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.