Full text : Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

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Da  die  deutschen  und  amerikanischen  Stahlwerke  in  den  Jahren  des
Niederganges  Halbzeug  zu  außerordentlich  niedrigen  Preisen  aut  den
Weltmarkt  warfen,  um  durch  möglichste  Ausnutzung  ihrer  Produktionsfähigkeit ­
  ihre  Selbstkosten  herabzudrücken,  erlangten  die  englischen  reinen
Walzwerke  einen  Vorteil,  den  sich  die  englischen  Stahlwerke  durch  die
vollkommenste  Betriebskombination  nicht  aneignen  konnten.  Daß  dadurch
die  Bildung  kombinierter  Werke  gehemmt  Wurde,  ist  erklärlich.  Wie  weit
die  Wirkung  dieser  Schleuderverkäufe  geht,  zeigt  folgende  Mitteilung
Vogelsteins:  „Versichert  man  mir  doch  selbst  auf  einem  integrierten  Unternehmen, ­
  daß  man  zeitweise  nichts  gegen  das  „duinping“  einzuwenden  gehabt ­
  habe,  als  sich  nämlich  der  Preis  für  Halbzeug  so  billig  stellte,  daß  es
profitabler  war,  das  eigene  Stahlwerk  still  zu  legen  und  sich  auf  die  Verarbeitung ­
  des  importierten  Materials  zu  beschränken.“ 1 )  Dieselbe  Erscheinung, ­
  die  Vogelstein  für  Schottland  feststellte,  findet  er  auch  in  Wales.
„Bei  völliger  Ausnutzung  der  Hochofen  und  Koksgase,  an  der  es  heute  teilweise ­
  wegen  des  getrennten  Standortes,  teilweise  wegen  allgemeiner  technischer ­
  Rückständigkeit,  noch  vielfach  fehlt,  könnten  die  integrierten
Unternehmungen  vielleicht  den  ernsten  Versuch  machen,  die  reinen  Walzwerke ­
  durch  Unterbietung  auszuschalten.  Aber  selbst  dann  wäre  es  fraglich,
ob  dieses  kostspielige  Experiment  erfolgreich  wäre,  wenigstens  solange  die
Zeiten  regelmäßig  wiederkehren,  in  denen  Roheisen  oder  Stahl  unter  den
Produktionskosten  von  Wales  importiert  wird.“ 2 )
Wie  die  ausländische  Konkurrenz  so  wirkt  auch  die  inländische.  Erst
dann  werden  die  Stahlwerke  den  vollen  Nutzen  aus  der  Kombination
ziehen,  wenn  die  Mehrzahl  der  Werke  zu  kombinierten  Unternehmungen
ausgebaut  ist  und  die  gemeinsamen  Interessen  zu  einer  einheitlichen  Preispolitik, ­
  zur  Konkurrenzregulierung  führt.  Die  Walzwerke  waren  ursprünglich ­
  durchweg  gemischte  Betriebe,  die  ihr  Halbzeug  in  Puddel-  und
Schweißöfen  selbst  herstellten.  Der  Puddelprozess  wurde  aber  von  den
neueren  Verfahren  zur  Herstellung  von  Flußstahl,  durch  den  Bessemerprozeß ­
  und  später  durch  den  Thomas-  und  den  Martinprozeß,  erheblich  in
den  Schatten  gestellt.  Diejenigen  Werke,  die  das  neue  Verfahren  annahmen,
die  Stahlwerke,  suchten  die  großen  Flußstahlmengen  vor  allem  in  der  Form
der  schweren  Walzprodukte:  Schienen,  Schwellen,  Träger  abzusetzen.
Die  Stahlmengen,  die  auf  diese  Weise  nicht  untergebracht  werden  konnten,
wurden  zu  Halbzeug  verarbeitet  und  den  Walzwerken  angeboten.  Infolge
der  geringeren  Herstellungskosten  standen  die  Preise  dieses  Halbzeugs,  —

l )  Vogelstein,  Organisationsformen  der  Eisenindustrie  und  Textilindustrie
in  England  und  Amerika  1910  S.  27.
s )  Vogelstein  S.  46.
            
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