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Sonderinteressen stärken. Die Gegensätze zwischen den reinen und ge
mischten Werken lassen, wie wir noch sehen werden, kaum noch Raum für
eine Kartellbildung. Aber auch der Interessenunterschied zwischen den
großen und kleinen Unternehmungen erweist sich nicht selten als ein
Hemmschuh, es sei denn, die Macht der Großen habe eine solche Wucht
erlangt, daß für die Kleinuntemehmungen eine Fortsetzung des Kampfes
verhängnisvoll wird. Im Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat sind
die Größenunterschiede zwischen den nördlichen und südlichen Zechen
ganz erheblich. Im Süden liegen die älteren kleinen Zechen. Die Kohle
steht hier zutage und kann verhältnismäßig leichter gefördert werden
als in den nördlichen Revieren. Je weiter man nach Norden geht, desto
tiefere Schachtanlagen sind notwendig, um die Kohle zu heben. Nur der
Großbetrieb kann die außerordentlichen Kosten tragen. So finden wir/
im Essener und Bochumer Revier die mittleren Zechen und weiter nördlich
die großen Zechen. Dieser Unterschied in der Größe-rief anfangs immer
wieder Divergenzen hervor, die die Errichtung des Kohlensyndikats
unmöglich machten. Erst als einige Zechen ihren Felderbesitz und ihre
Leistungsfähigkeit derartig ausgeweitet hatten, daß sie allein den Markt
zu beeinflussen vermochten, gaben die Quertreiber nach, die Organisation
war gesichert.
Der Einfluß des Kartells auf seine Mitglieder nimmt natürlich mit der
Größe der Produktion zu, die seinen Bestimmungen unterworfen ist. Werden
mehrere Kartelle zu einem neuen Verband zusammengeschlossen, so
wächst dessen marktbeherrschende Stellung, unter Umständen auch seine
innere Stärke. Das nächstliegende Ziel ist natürlich, die Kartelle derselben
Produktionsstufe unter einheitliche Leitung zu stellen. Man könnte hier von
einer horizontalen Kombination der Kartelle sprechen. Der Plan einer ver
tikalen Kombination, also einer Vereinigung der Kartelle der aufeinander
folgenden Produktionsstufen, stößt in der Regel auf den schärfsten Wider
stand. Im Stahlwerksverband sind zwar die älteren Kartelle für Schienen,
Träger und Halbzeug verschmolzen und anfangs waren außerdem Ver
einbarungen über die Produktion der anderen Walzeisen getroffen, hier
stand also das Halbzeug, das Vorprodukt, neben den Fertigwaren. Doch
konnte man darin nicht den Anfang einer vertikalen Kartellkombination
sehen, denn Schienen, Träger und Halbzeug waren früher die wichtigsten
Erzeugnisse der Stahlwerke, wofür deshalb auch feste Verbände gebildet
waren. Sie stehen außerdem auf einer Produktionsstufe, da sie nebenein
ander aus denselben schweren Rohstahlblöcken ausgewalzt werden. Nur
soweit der Stahlwerksverband auch einen Einfluß auf die Herstellung und
den Absatz von Stabeisen, Bandeisen, Draht, Blechen und Röhren aus
übte — der Einfluß besteht seit der Erneuerung des Verbandes nicht mehr
Mannstaedt, Zusammenschluß im Gewerbe. ^