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Erstes Buch. Die Begründer.
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Auch heute hat das große Problem der Bevölkerung nichts von
seiner Bedeutung verloren, doch ist es in gewisser Weise umgekehrt
worden. Das, was Malthus die präventive Hemmung nannte, hat in
allen Ländern eine solche Ausdehnung erlangt, daß das, was die Soziologen
und die Volkswirtschaftler beschäftigt, nicht mehr die Gefahr einer unbegrenzten
menschlichen Fruchtbarkeit, sondern die einer regelmäßig
und allgemein sinkenden Geburtsziffer ist. Es handelt sich darum, die
Gründe dafür zu finden. Man ist übrigens völlig einig, anzuerkennen,
daß diese Ursachen sozialer Natur sind.
Es genügt nicht, den ausgesprochenen Wunsch der Eltern, keine
Kinder zu haben oder deren Anzahl zu beschränken, als Grund anzuführen,
eine Erklärung, die natürlich nichts erklärt, da es sich ja gerade
darum handelt, woher dieser Wille stammt, keine Kinder mehr zu
haben; und warum dieser Wille sich in unserer Zeit so ungemein verstärkt
hat, ein Wille, der in den meisten Ländern noch vor etwa fünfzig
Jahren kaum bestanden hat, während er freilich in Frankreich schon
älteren Datums ist. Zur Erklärung muß man die Ursachen aufdecken,
die Frankreich und unserer Gesellschaft eigentümlich sind, und die sich
folglich in anderen Ländern nicht im gleichen Maßstab fühlbar machen
können: — sei es, daß man mit Paul Leboy-Beaulieu annimmt, die
Geburten nehmen im Verhältnisse des Zivilisationsfortschrittes ab, eine
für Frankreich doch wohl etwas allzu schmeichelhafte Erklärung; der
Fortschritt nämlich schaffe Bedürfnisse und Ausgaben, die mit den
Pflichten und Lasten der Vaterschaft unvereinbar sind; — sei es, daß
man mit Dumont zugibt, die Geburten würden im Verhältnis des Fortdie
Zerstückelung des Grundbesitzes als eine der Hauptursachen des Rückganges der
Natalität betrachtet wird. Er schrieb hierüber:
„Von jeher hat es in Frankreich eine Menge kleiner Pacht- und Bauerngüter
gegeben. Dieser Zustand ist dem Wachstum des Reinertrags nicht sehr günstig, aber
er vergrößert manchmal den Bruttoertrag, und stets trägt er zu einer starken Vermehrung
der Bevölkerung bei“ (S. 216).
Weiterhin schrieb er: „Was auch die Vorteile seiner Lage und seines Klimas
sein mögen, so ist doch in Frankreich das Streben nach Vermehrung der Bevölkerung
so groß, der Mangel an Voraussicht der unteren Klassen so bedeutend, daß ...“ (S. 621)-Das
gleiche bezeugt Godwin, und ebenso Young (den MÜlthus anführt — S. 660):
„Das Hauptunglück dieses Landes liegt darin, daß es eine so große Bevölkerung hat,
die es weder beschäftigen noch ernähren kann“!
Was die Ehe anlangt, so schreibt ihr Malthus allerdings eine präventive Eigenschaft
zu: er gibt zu, daß: „die einfachste und natürlichste Hemmung die wäre, jedem
Vater den Unterhalt seiner Kinder als Verpflichtung aufzuerlegen“ (S. 336). Auch
gibt er zu, daß die Verachtung, die das uneheliche Kind oder die uneheliche Mutter
trifft, sich aus der Notwendigkeit rechtfertigt, das Gesetz der Verantwortlichkeit aufrecht
zu erhalten. Das Forschen nach der Vaterschaft (la recherche de la paternita)
lehnt er zwar ab, aber er erklärt, daß die Verführung „streng bestraft werden muß“,
eine Unterscheidung, die heute allgemein anerkannt ist, die aber zu seiner Zeit ganz
neu war.