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Erstes Buch. Die Begründer.
und gegen ihn richten sich alle Angriffe. Handelt es sich um die Me
thode, so stürzt sich die realistische und die historische Schule auf ihn,
der die Wissenschaft in die Sackgassen der Abstraktionen geführt hat!
Handelt es sich um die Rechtfertigung des Grundbesitzes, so wird zuerst
seine Kententheorie angegriffen; der ganze Marxismus und folglich der
ganze heutige Sozialismus baut sich unmittelbar auf seiner Werttheorie
auf. Wenn diese Nachkommenschaft ihm auch sicherlich wenig Zusagen
dürfte, so kann er sie doch nicht verleugnen. In den Streitfragen über
die Rolle der Notenbanken und über den internationalen Handel findet
man ihn, und zwar stets an erster Stelle, wieder.
Er verdankt es daher ebensosehr seinen Fehlern, wie seinen Ver
diensten, das geistige Leben so nachhaltig in Erregung gesetzt zu haben.
Von den meisten seiner Lehren, wenigstens von den für ihn bezeichnendsten,
ist nicht mehr viel übrig geblieben, wenn man davon absieht, daß er stark
zur Kritik und zu Gegenbehauptungen herausforderte, was aber vielleicht
nicht weniger von Bedeutung ist. Übrigens war dieser Citybankier nur
ein recht mittelmäßiger Schriftsteller. In seinen Werken findet sich
keine jener prachtvollen Seiten, wie sie Adam Smith oder später Stuart
Mild verfaßt haben, ja nicht einmal Formeln von jener treffenden Schärfe,
die nie vergehen können. Sein Hauptwerk ist völlig planlos: wie zufällig
stehen die Kapitel nebeneinander. Seine : hypothetische Methode mit
ihrem ewig wiederholten: „Angenommen, daß . . .“, sozusagen seine
Fabrikmarke, wirkt sehr ermüdend. Jedoch hat diese abstrakte Methode
der Wissenschaft einen langdauernden Anstoß gegeben, und sie lebt
heute in der mathematischen Schule wieder auf. Er war ein gewaltiger,
wenn auch dunkler Geist, der, wie er selbst gesteht, sich nicht immer
selbst verstand. Eine dunkle Ausdrucksweise tut aber dem Ruhme keinen
Abbruch; sie hat dem Ansehen Ricardo’s wie später dem von Marx,
der sich übrigens an ihm gebildet hat, viel genützt. Wenn es sich um einen
großen Mann handelt, gibt man nicht gern zu, daß er schwer verständlich
sei, vielleicht aus Furcht, dann selbst für nicht mit rechtem Verstände
begabt zu erscheinen. Man bemüht sich vielmehr, in den dunkelsten
Stellen einen tiefen Sinn zu finden. Allerdings • ist man hierin, soweit
Ricardo in Betracht kommt, nicht immer erfolgreich gewesen.
Es ist nicht daran zu denken, an dieser Stelle sein so monumentales
Werk erschöpfend darzustellen, und wir begnügen uns daher damit, seine
Hauptzüge hervorzuheben 1 ).
r ) David Ricardo entstammte einer ursprünglich holländischen, jüdischen Familie-
Er wurde im Jahre 1772 in London geboren, wo sein Vater als Warenmakler lebte.
Frühzeitig wurde er von ihm in die Geschäfte, in die Geheimnisse der Wechselstuben
eingeführt. Anläßlich seiner Heirat schwor er seine Religion ab und brach mit seiner
Familie. Er gründete ein eigenes Geschäft als Börsenmakler und sammelte rasch ein