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Zweites Buch. Die Gegner.
an sich, wie es die Schriftsteller des 18. Jahrhunderts getan hatten, der
Gesellschaft an sich gegenüberzustellen, sondern ihn, wie es in der Wirklichkeit
der Fall ist, der Nation einordnete, hat er einen fruchtbaren Gesichtspunkt
eingeführt, aus dem man vielleicht noch nicht alle Schlußfolgerungen
gezogen hat. Er betrachtet mit Recht die Nationen nicht
nur als moralische und politische Genossenschaften, die durch die Geschichte
geschaffen worden sind, sondern auch als wirtschaftliche Genossenschaften.
Ebenso wie eine Nation sich politisch durch den auf der
Moral beruhenden Zusammenhang ihrer Bürger kräftigt, so wächst auch
mit dem wirtschaftlichen Zusammenhang die produktive Kraft eines Jeden
und sein eigener Wohlstand. So wie die Regierung beauftragt ist, die
politische Einheit des Landes aufrecht zu erhalten, so ist es auch ihre
Pflicht, die wirtschaftliche Einheit zu festigen und zu erhalten, indem
sie lokale Interessen dem allgemeinen Interesse unterordnet, die Handelsfreiheit
im Innern stützt, Eisenbahnen und Kanäle nach einem nationalen
Plane organisiert, durch eine Zentralbank den Geldumlauf überwacht,
eine einheitliche Handelsgesetzgebung ausgearbeitet usw.
Dies ist das von List in seiner Zeitung, dem Zollvereinsblatt,
aufgestellte Programm.
Dieses Gefühl der Macht, das eine einheitliche wirtschaftliche Organisation
einem Volke verleiht, ein Gefühl, das auch heute noch so vielen
fehlt, die sich für Individualisten halten und im Grunde weiter nichts
als Partikularisten sind, besaß List in höchstem Grade. Er widmete
zahlreiche Jahre seines Lebens der Aufgabe, seinem Lande die Notwendigkeit
der Errichtung von Eisenbahnlinien zu verkünden und zeichnete
im voraus den Plan der Hauptlinien, die seitdem in Deutschland gebaut
worden sind. Für ihn war der Schutzzoll nur eins der Mittel, das wirtschaftliche
Gefüge Deutschlands fester zu gestalten, und zwar auf Grund
der Interessenübereinstimmung, die das Vorhandensein einer mächtigen
Industrie hier schaffen würde.
Auf diese Weise hat derselbe Mann seine Arbeit mit dem gleichen
Enthusiasmus und unter dem Ansporn der gleichen Idee einem sich scheinbar
widersprechenden Werke widmen können: der Abschaffung der Binnenzollschranken
und der Einführung von Schutzzöllen. — Heute können
wir uns leicht eine nationale Volkswirtschaft vorstellen, in deren Programm
keine Schutzzölle enthalten sind, und die sich dennoch mit vollem
Recht auf List berufen kann 1 ).
D Es ist äußerst bemerkenswert, daß der größte Bewunderer List’s, Dührin°
in seiner Kritischen Geschichte der Nationalökonomie und des Sozialismus
(2. Ausg. S. 362ff.) besonderen Nachdruck darauf gelegt hat, daß der
Protektionismus nicht ein wesentlicher Bestandteil, sondern nur eine vorübergehende
Form des größeren Prinzips der nationalen wirtschaftlichen Solidarität sei, die die
grundlegende Auffassung List’s ist, und die den Protektionismus überleben muß.