Kapitel V. Proudhon und der Sozialismus von 1848.
317
Was ist darunter zu verstehen? Betrachtet Proudhon alles Eigen
tum als Ergebnis des Diebstahls? Verurteilt er die Aneignung, die Tat
sache des Besitzens an sich? So verstand ihn das große Publikum, und
man kann nicht in Abrede stellen, daß Proudhon auf diese Verblüffung
des „Bourgeois“ gerechnet hat. Doch entspricht das keineswegs seiner
Auffassung. Das Privateigentum, die freie Verfügung über die Früchte
der Arbeit und des Sparsinnes, ist in seinen Augen „das Wesen der Freiheit“;
in ihr liegt der Grund der Herrschaft des Menschen über sich selbst 1 ). Was
wirft er aber nun dem Eigentum vor? Einfach das Recht, das es seinem
Besitzer verleiht, ein Einkommen ohne Arbeit zu erheben. Es ist
mcht das Eigentum an und für sich, sondern das „Herrenrecht“ 2 ) der
Besitzenden, das Proudhon — ebenso wie Owen, die englischen Sozia
listen und die Saint-Simonisten — verdammt, dieses Heimfallsrecht, das
je nach den Umständen und dem Gegenstand den Namen Rente, Pacht,
Miete, Geldzins, Profit, Agio, Diskont, Kommission, Privilegium, Monopol,
Bonus, Sinekure, Bestechung usw. annimmt 3 ).
Denn zusammen mit allen Sozialisten, die ihm vorausgegangen sind,
betrachtet auch Proudhon die Arbeit allein als produktiv 4 ). Weder der
Boden, noch die Kapitalien sind ohne Arbeit produktiv. Daraus ergibt
s mh, daß „der Eigentümer, der eine Steuer auf Grund der Dienstleistungen
seines Instrumentes, der Produktivkraft seines Bodens verlangt, eine völlig
mische Tatsache annimmt, nämlich, daß die Kapitalien selbst irgend etwas
4 ) Contradictions, Bd. I, S. 219 221. rioimfallsrecht am Eigentum
■) „Droit d’aubaine“, jus albinagü, Fremdenrecht; Heimfallsrec
Fremder, das dem Herrn zustand (Anm. d. Ubers.,_ Gedanke wir d häufig
3 ) R6sum6 do la question soc . ,ale ' b '7 uf Gru 6 nd der Arbeitsteilung waren
auch an anderen Stellen von ihm ausgedruckt. „Au Verkehrsn etzes. Ein
die individuellen Besitztümer nur mehr wie □ l ität ; n eine Art Durchgangs
ieder Besitzer fand sich, infolge der allgemeinen Solidiint.» ^ hatte , und der wie
zoll-Einnelimer verwandelt, der die Tür einer c v, 0 findlichen Erzeugnis eine Transit
güter der feudale Grundherr von jedem im Umlaufbef m gt>hl wur d e “ (Banque
abgabe erhob. ... So geschah es, daß das Eigen icbt der Ansicht war, Zinsen
d’fichange, S.166). Hervorzuheben ist, daß Proudho ^ beson d e rs in seiner Aus
ten stets unberechtigt. In der Vergangenheit (er erKi glaubt er , für die Zu-
einandersctzung mit Bastiat) waren die Zinsen ere mac i len .
kunit das Mittel gefunden zu haben, sie unno ig ^ d er von Marx zu-
l ) Man darf diese These, was fast stets gescie , ^- ege jdee gibt Proudhon
sammenwerfen, für den jeder Wert aus der Ar 61 , (constitud) werden, d. h. in
nicht zu. Der Wert muß, nach ihm, gerade „geDU v übere inzustimmen. Er
der Weise geregelt, um mit der .®' rresollschaft der Fall sei. MARXWirft
glaubt aber nicht, daß das schon in der heutig Philosophie vor, das nicht zu
nun gerade in seiner Schrift: Misere 1 ® daß die Erzeugnisse (nicht
glauben. Proudhon gibt nur zu, wie Rodb* Arbeit beruhen. Vgl. oben
?«Wert der Erzeugnisse) ausschließlich auf der Arne
(S. 235/236).