Kapitel I. Die Optimisten.
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und Kosten verlangt. Er begnügt sich nur damit, wenn er durch die
Konkurrenz unbedingt dazu gezwungen wird! Diese Bedingung ist nun
fast niemals gegeben, und die ökonomischen Theorien erklären gerade,
deshalb der Verkaufspreis gewöhnlich den Gestehungspreis übersteigt,
und wie sich dieser Überschuß unter den verschiedenen Kategorien, Rente,
■Profit, Mehrwert, darstellt.
Im Grunde war sich Bastiat sehr wohl der Schwäche seiner Beweis-
ührung bewußt. Er sieht sehr gut, daß der Eigentümer eines berühmten
Weinberges oder eines an den Champs-Elysees gelegenen Baugrundes beim
erkauf viel mehr erhalten kann, als die Bezahlung seiner Arbeit. Aber
aun rettet er sich in seine Werttheorie: gleichviel, dieser Eigentümer
wird niemals mehr erhalten als den Preis des geleisteten Dienstes. — Zu
gegeben! Dann muß aber doch wohl zugestanden werden, daß die Tat
sache, einen natürlichen Reichtum zu besitzen, es gestattet, den Preis
er Dienste, die., der Eigentümer leistet, bis zur äußersten,
urch die Bedürfnisse des Käufers gezogenen Grenze zu er-
°nen, und was bleibt dann von dem sog. Gemeineigentum und den
Besitzer seinen Brüdern unentgeltlich und ohne Vorbehalt über
leiten Gütern übrig?
s ^ el che Überlegenheit zeigt demgegenüber die Theorie Carey’s,
so?'i ^ urc k üiren wissenschaftlichen Wert, als auch durch ihre große
vor r ^ ra KW e ite! Carey nimmt Punkt für Punkt die Theorie Ricardo’s
p u ’ ( le Bastiat nur sehr ungenau gekannt zu haben scheint, 2 ). Der These
w er C r°’ S § e g en über, daß der Wert des Getreides fortschreitend höher
g eg . en muß, weil der Mensch, nachdem er die fruchtbarsten Böden in
g e i- Z , ^ enommen Bat, gezwungen ist, nach und nach unfruchtbarere in
die ; ! rtsc B a Bung zu nehmen, antwortet Carey: daß ganz im Gegenteil
(!r _ st armsten Böden es sind, auf denen die Kultur beginnt, und daß man
Inf o, s Pf r und nach und nach die reicheren Felder in Angriff nimmt.
Brod t'^ en er ^Bt sich der umgekehrte Schluß, denn mit steigender
uli tivität wird der Preis des Getreides fallen. Die Gründe, auf die
der Bastiat scheint die Bodenrente nicht besonders studiert zu haben. Das Kapitel
BoRüler '^d 011 ! 68 ’ ^ as ^ ese Überschrift trägt, ist unvollendet geblieben. Einer seiner
Hildes Rn’ DE Fontenay , hat ihr ein ganzes, heute vergessenes, jedoch sehr glän-
1 j ß f. ewidmet: Du Revenu foncier (18S4). Er bemüht sich nachzuweisen:
da a jj e a Jf "ie RiCAKDo’sche Bodenrente, d. h. die Differentialrente nicht existiert,
Versteht i- f .. er gleichwertig sind, aber nur unter der Bedingung, daß man es
2 j L e ™ r e ’ n jedes geeignetste Kultur anzuwenden;
Ao am u>e Rente der natürlichen Fruchtbarkeit, die der Physiokraten oder
einzig au^V’ ebensowe uig existiert, da alle Nützlichkeit (und nicht nur aller Wert!)
Schlacht,, r 1 ^ rb eit beruhe. Ein Pfirsich, eine Weintraube, ein Weizenkorn, ein
behaus u f®,V erden einzig vom menschlichen Fleiß geschaffen: die Natur ist stets
durcha Us rhü • gcwosen , es zu tun, und wird es auch stets bleiben. — Dies ist übrigens
a uch von !, ,g ’ wenn man sagt, die Natur allein; aber genau dasselbe kann man dann
er Arbeit allein sagen.