150
150 Mark, also nahezu das vierfache von früher. Noch un
günstiger gestalten sich in diesem Fabrikationszweig die Zoll
verhältnisse nach Amerika, welche eine Ausfuhr deutscher Fa
brikate unmöglich machen.
Die Firma Bach führt die Bezeichnung „Fabrik“ mit Recht,
wenn auch ein großer Teil der Produktion mittels Handarbeit
geschieht. Zwei elektrisch betriebene Zuschneidemaschinen und
ca. 150 Nähmaschinen mit Kraft- und Fußbetrieb bilden mit
2 Bügelmaschinen (mit Oasbetrieb) die für eine Fabrik notwen
dige maschinelle Anlage. Dabei beschäftigt die Firma 500—600
männliche und ungefähr 100 weibliche Arbeitskräfte. Außer
dem sind noch etwa 150 Heimarbeiter in der Fertigproduktion
tätig. Es herrscht hier in München kein Zwischenmeister
system wie in Berlin. Die Heimarbeiter sind auch keine Haus
industrielle, wenngleich sie nicht in Betriebswerkstätten der
Firma sondern in ihren eigenen Wohnungen arbeiten. Sie kom
men an bestimmten Ablieferungs-und Arbeitsausgabetagen in die
Betriebsräume, nehmen hier die maschinell zugeschnittenen
Stoffe nebst Zutaten in Empfang und stellen zuhause das
Kleidungsstück vollständig fertig her. Sie sind wohl Schneider
von Beruf, nur verstehen sie nicht die Formen und Teile der
Kleider zuzuschneiden.
Die Arbeiter, welche in die Kategorien der Zuschneider,
Modellschneider und Schablonenschneider zerfallen, sind alle
organisiert. Die Firma hat daher mit dieser Arbeiterorgani
sation, dem Allgemeinen Deutschen Schneiderverband, einen
Tarifvertrag abgeschlossen, der durchweg die Lohnverhältnisse
ordnet. In den Werkstätten bestehen Arbeiterausschüsse,
welche stets, wenn es sich um Einrichtungen der Werkstätten,
um Überstunden und andere, den Arbeiter selbst berührende
Punkte handelt, direkt mit der Firma in Verhandlung treten,
sodaß eine Klage des einzelnen Arbeiters ausgeschlossen ist.
Durch diese Organisation, meist aber durch Jnserat in den
Münchener- und Fach-Zeitungen, unter Vermeidung der Hilfe
der Arbeitsämter, sucht die Firma die nötigen Arbeitskräfte auf
zutreiben, was infolge der schlechten Lage des Arbeitsmarkts
äußerst schwer ist. Qute Arbeiter sind ganz selten, sodaß die
Firma durch Arbeitermangel, oft in der Produktion behindert ist.