Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

wegs  als  Parasit,  nicht  einmal  als  ein  sein  Einkommen  aus  zweiter
Hand  erhaltender  Stipendiat,  wie  der  Fabrikant.  Sein  Anteil  gebührt
ihm  optimo  jure,  kraft  eines  Eechtes,  das  älter  und  höher  ist  als  das
des  Landwirtes.  Denn  wenn  der  Landwirt  das  Erzeugnis  macht,  so
hat  er,  der  Besitzer,  den  Boden  gemacht.  Man  könnte  die  drei  Gesellschaftsklassen ­
  der  Physiokraten  mit  drei  Personen  vergleichen,
die  sich  in  das  Wasser  eines  Brunnens  teilen:  Die  produktive  Klasse
zieht  das  Wasser  in  Eimern  aus  dem  Brunnen.  Die  besitzende  Klasse
erhält  es  aus  ihren  Händen,  ohne  etwas  dafür  zu  geben,  da  sie  es
war,  die  den  Brunnen  gegraben  hat.  Die  sterile  Klasse  hält  sich  in
respektvoller  Entfernung  und  muß  das  Wasser  des  Brunnens  mit  ihrer
Arbeit  bezahlen.
Nur  liegt  hierin  ein  Widerspruch,  den  die  Physiokraten  nicht
bemerkt  zu  haben  scheinen.  Wenn  das  Einkommen  des  Besitzers
S.  85t),  d.  h.  solange  als  der  Boden  nicht  instand  gesetzt  ist,  beschränkt  sich  das
Eigentum  auf  die  einfache  Okkupation.
Die  Physiokraten  unterschieden  drei  Arten  von  Vorschüssen:
1.  Die  jährlichen  Vorschüsse  (avances  annuelles),  die  die  Kosten  der  Bestellung ­
  in  jedem  Jahr  vorstellen,  —  wie  Saat,  Dünger,  Arbeitsleistungen  und,
natürlich,  die  Unterhaltskosten  der  Arbeiter.  Diese  Vorschüsse  müssen  jährlich
vollständig  durch  die  Jahresproduktion  ersetzt  werden.  Wir  nennen  das  heute  Betriebskapital. ­

2.  Die  primären  Vorschüsse  (avances  primitives),  wie  Ankauf  von  Vieh  und
Geräten,  die  eine  mehr  oder  weniger  lange  Reihe  von  Erzeugungsarbeiten  aushalten
und  daher  in  einem  Jahr  nur  zu  einem  Bruchteil  wieder  eingebracht  werden  müssen.
Jüan  sieht  hier  sehr  gut  die  seitdem  klassisch  gewordene  Unterscheidung  zwischen
fixem  Kapital  und  Betriebskapital,  die  Amortisation  des  ersteren  gegenüber  der
völligen  Rückerstattung  des  zweiten.  Es  war  ihnen  auch  nicht  entgangen,  daß  eine
verständige  Erhöhung  der  primären  Vorschüsse  eine  Verminderung  der  jährlichen
Vorschüsse  gestattet.
Diese  Gedanken  waren  damals  sehr  neu  und  sind  der  Wissenschaft  vollständig
einverleibt  worden,  nur  mit  dem  Unterschied,  daß  sie,  anstatt  allein  auf  die  landwirtschaftliche ­
  Produktion  beschränkt  zu  sein,  auf  alle  Produktion  überhaupt  ausgedehnt ­
  wurden.  -
3.  Die  grundlegen  den  Vorschüsse  (avances  foncieres)  sind  die,  deren  Zweck
die  Vorbereitung  des  Bodens  für  die  Bearbeitung  ist  (offenbar  hätten  sie  besser
primäre  Vorschüsse  —.avances  primitives  —  genannt  werden  sollen).
Die  beiden  ersten  Arten  von  Vorschüsse  sind  die,  die  dem  Landwirt  zufallen
und  ihm  ein  Anrecht  auf  einen  Lohn  schaffen,  der  wenigstens  genügen  muß,  um  sie
znrückzuerstatten.
Die  dritte  Art  fällt  dem  Besitzer  zu  und  sie  ist  es,  die  ihm  ein  Recht  auf  den
Grundbesitz  gibt.  „Ehe  man  einen  Pächter  einsetzen  und,  eine  jährliche,  regelmäßige ­
  und  fortlaufende  Feldbestellung  vornehmen  kann,  sind  Gebäude,  Scheunen  und
Ställe,  Wege,  Pflanzungen,  Bodenbearbeitung - ,  Entfernung  von  Steinen,  Stämmen  und
Wurzeln,  Wasserlaufregulierungen  und  Schutzstätten  nötig.  —  Das  sind,  werter  Herr,
die  grundlegenden  Vorschüsse,  die  wahren  Arbeiten  des  Besitzers,  die  wahre  Begründung ­
  seines  Besitzrechtes“  (Baudeau,  Ephemerides,  Mai  1776.  Antwort  an
Gondillac).
            
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