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man brachte das Eigelb als sogenanntes Eigelbextrakt in halbtrockenem
Zustande in den Handel *), heute ist man wieder auf Salz zurückgekommen,
welches nunmehr, meist neben einem geringen Quantum Borsäure oder
Alaun, in einem Mengenverhältnis von 10—12 °/ 0 als trockenes Pulver
dem Eigelb zugefügt wird 2 ).
t Die wachsende Ausdehnung der Glace- und Feinlederfabrikation
veranlaßte bald den einheimischen Markt zu verlassen und eine Deckung
des Bedarfs im Auslande zu versuchen. So ging man zunächst nach
Böhmen s ) und Galizien 4 ), nach Rußland 5 ), und besonders Rußland
konnte der wachsenden Nachfrage in einer solch weitgehenden Weise
genügen, daß sein Eierexport, welcher hauptsächlich nach Deutschland
und Großbritanien geht, seit der Mitte der 70 er Jahre geradezu ins
L Ungeheuere gewachsen ist °).
Eine neue Eigelbprovenienz, etwa am Ende des vorigen Jahr
hunderts, wurde erschlossen in China J ). Es soll dort Bauerngüter von
6000—8000 Enten geben s ), und das chinesische Enteneigelb soll noch
fettreicher sich erweisen als das russische und das syrische ch. Besonders
die Konservierung des chinesischen Eigelbs hat große Schwierigkeiten
bereitet, da dieses in heißen Schiffsräumen durch heiße Zonen einen
sehr langen Weg zurückzulegen hat, währenddessen anfangs sehr viele
Fässer in Gärung gerieten und gesprengt wurden, so daß daraus
erheblicher Schaden sich ergab 10 ). Zeitweise haben europäische Firmen
in China Filialen zu errichten versucht"), aber der Export nach Europa
scheint doch nicht so große Dimensionen angenommen zu haben, um
diese kostspieligen Filialen bezahlt zu machen. Vielleicht spielt hier eine
große Rolle der Umstand, daß die V. St. A. als besonders große Käufer
in China auftreten 4 ch, und auch die dunklere Farbe des chinesischen
Eigelbs hat seiner Einführung nicht unbedeutende Schwierigkeiten ver
ursacht^). Immerhin spielt heute das chinesische Eigelb neben dem
russischen die größte Rolle, und die Probleme der Konservierung des
Eigelbs sind dabei in der Weise gelöst worden, daß auch die wenigen
noch bestehenden Glacegerber sich des Faßeies bedienen können.
Haben so einerseits das Faßei und die Albuminfabrikation, anderer
seits der Bezug des Eigelbs aus immer größeren Fernen trotz des ge
stiegenen Bedarfs den Preis dieses teueren Rohmaterials im Vergleich
y Schuh und Leder 1901, Nr. 2, S. 25.
2 ) Schönmanns Journal 1896 Nr. 9; Kollegium 1909, S. 295.
3 ) Berliner Berichte 1898, Nr. 41, 3. Beilage. 4 ) Ebenda.
6 ) Berliner Berichte 1901, Nr. 42, 4. Beilage.
e ) Ebenda. 7 ) Schönmanns Journal 1896, Nr. 10.
8 ) Berliner Berichte 1901, Nr. 42. 9 ) Schuh und Leder 1901, Nr. 2, S. 25.
,(> ) Ebenda. u ) Berliner Berichte 1901, Nr. 42, 4. Beilage. ’ 2 ) Ebenda.
") Schönmanns Journal 1896, Nr. 10; Schuh und Leder 1901, Nr. 2, S. 25.