Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  Physiokraten.

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geschäftes  zuläßt 1 )  und  der  Grund,  den  er  anführt,  ist  nicht  allein
das  physiokratische  Argument  von  der  Möglichkeit,  daß  der  Kapitalbesitzer ­
  sein  Geld  in  Grund  und  Boden  anlegen  kann,  sondern  vor
Allem,  daß  er  sich  irgendwelcher  Produktion  zuwenden  kann,  da
Kapital  die  „unumgänglich  notwendige  Grundlage  jedes  Unternehmens“
ist 2 ).  Daher  wird  er  sein  Kapital  niemals  jemandem  geben,  der  ihm
nicht  wenigstens  den  Gegenwert  dessen  bietet,  was  er  erhalten
könnte,  wenn  er  es  selbst  in  Industrie  oder  Handel  verwendete.
Dieser  Beweisführung  scheint  aber  der  Gedanke  zugrunde  zu  liegen,
als  ob  jedes  Unternehmen  an  und  für  sich  produktiv  sei.  Und  in  der
Tat,  Tukgot  unterschied  sich  auch  darin  von  der  physiokratischen
Schule,  daß  er  die  Industrie  und  den  Handel  nicht  als  steril  betrachtete. ­


2.

Die  Rolle  des  Staates.

Da  die  Physiokraten  glauben,  daß  es  in  den  menschlichen  Gemeinschaften ­
  eine  natürliche  Ordnung  gibt,  die  von  selbst  wirkt,  und
daß  es  folglich  keines  geschriebenen  Gesetzes  bedarf,  um  die  Herr-Se
 haft  dieser  Ordnung  festzulegen,  da  sie  glauben,  daß  die  Stimme
der  Natur  dem  Menschen  „das,  was  ihm  am  vorteilhaftesten  ist“
e ingibt  und  daß  daher  jeder  Zwang  unnötig  ist,  der  jemanden  bestimmen ­
  soll,  seinen  Vorteil  zu  suchen,  —  so  würde  es  scheinen,  als
°b  die  Physiokraten  zur  Verneinung  aller  Gesetzgebung,  aller  Autorität,
mit  einem  Wort:  zur  Abschaffung  des  Staates  gelangen  müßten.
Es  ist  sicherlich  wahr,  daß  die  Physiokraten  dafür  waren,  die
Gesetzgebungsmaschine  auf  ein  Minimum  zu  reduzieren,  und  sie  haben
sogar  erklärt,  was  nach  ihnen  die  Anti-Interventionisten  so  oft  wiederholen ­
  sollten,  daß  das  nützlichste  Werk  der  Gesetzgebung  darin  bestehe, ­
  die  unnützen  Gesetze  abzuschaffen 3 ).  Fest  steht,  daß  nach
ihnen,  wenn  man  einmal  neue  Gesetze  zu  Hilfe  nehmen  muß,  sie
üichts  weiter  als  die  Niederschrift  der  ungeschriebenen  Naturgesetze
sein  sollten.  „Weder  die  Menschen  noch  die  Regierung  machen  die
Gesetze  und  sie  können  sie  auch  nicht  machen.“  Sie  erkennen

i  über  diesen  Gegenstand:
*)  Er  ist  der  Verfasser  einer  ^nJführungen  über  Gelddarlehen)  1769.
„Memoire  sur  les  prets  d  argent  (  ..irhesses  (Betrachtungen  über  die
2 )  Reflexions  sur  la  formation  des
Bildung  des  Reichtums)  §§  LIX,  BXI,  DA  •  ^g^pen  un(1  absurden  Gesetze
3 )  „Schafft  die  unnützen,  ungerechten,  J  (Baudeau,  S.  817).  Boisguih.bbekt
ab,  und  ihr  werdet  sehen,  ob  viel  davon  übrig  W  eineB  rech t  grollen  Wohlstandes
hatte  60  Jahre  vorher  geschrieben:  „Zur  »  ®  mit  dem  Tun  auf  zu  hören,
handelt  es  sich  nicht  darum,  etwas  zu  tun,
was  nnr  einen  Augenblick  beansprucht.
            
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