Full text: Die Frau und die Arbeit

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Dachstube zu vertauschen, um in Einsamkeit und unter 
jenem schweren Druck, den jeder empfindet, der gegen 
die Anschauungen seiner Umgebung anzukämpfen hat, 
sich die Wege und nötigen Kenntnisse zu neuen Arbeits 
feldern sucht. Es ist dieses tiefe Bewußtsein, welches die 
arme, kleine, halb verhungerte Studentin geradezu hero 
isch erscheinen läßt, wenn sie, dem gigantischen Vor 
sprung trotzend, sich neben dem Manne auf den Feldern 
moderner, geistiger Arbeit behaupten will, und die, ob es 
nun gelingt oder fehlschlägt, einen Meilenstein auf der 
Straße der menschlichen Entwicklung bedeutet. Es ist dies 
Bewußtsein großer unpersönlicher Ziele, die es zu errei 
chen gilt und zu deren Erlangung jede einzelne ihr wenn 
auch noch so kleines Teil beizutragen hat, was der Hand 
lungsweise jeder Frau, die auch nur der Tyrannei der sie 
im Kampfe nach neuen Anpassungsformen hindernden 
Mode in Bekleidung, Betragen oder Sitte widerstrebt, aus 
dem Bereich des Nichtigen zu Wichtigkeit erhebt. 
Es ist dieses Bewußtsein, welches dem Streben jeder ein 
zelnen nach physischer und geistiger Selbsterziehung und 
Entwicklung eine fast ehrfurchtgebietende Bedeutung ver 
leiht ; es ist dies Bewußtsein, das mit hohem Enthusiasmus 
das Herz des jungen Mädchens erfüllt, wenn es vielleicht 
auf einer entlegenen Farm Afrikas oder Amerikas bis tief 
in die Nacht über seine Bücher gebückt sitzt mit jener 
Leidenschaft und Inbrunst, mit der einst die ersten Chri 
sten sich über die Seiten der Schrift beugten, in dem Ge 
fühl sich durch jede Erweiterung seines Wissens für irgend 
welche unbekannten kommenden Pflichten gegenüber der 
Welt vorzubereiten. Es ist dieses Bewußtsein großer, un 
persönlicher Ziele, denen uns ihre Handlungsweise, wenn 
auch langsam und unmerklich ein klein wenig näher 
bringt, das so mancher Frau die Kraft des Verzichtens 
gibt, wenn sie jede niedere Art von Geschlechtsverbindung 
selbst eine mit allen äußeren Ehren eines legalen Bun-
	        
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