Fri&densbedingungen und Geldentwertung.
121
noch mit deutschen Marknoten erfolgen. Die Besitzer der Waren
und Empfänger der deutschen Noten werden aber bald merken,
daß sie mit diesen Noten wenig anfangen, in Deutschland so gut
wie nichts kaufen können und daher auch in ihrem eigenen Lande
für die deutschen Noten nur unwillige Abnehmer finden werden.
Die Kurse der deutschen Noten werden unter dem Drucke dieses
Papierstromes, der sich in die Verkaufsgebiete ergießt, sinken, sogar
erheblich sinken und dadurch weitere Einfuhren nach Deutschland
erschweren oder unlohnend machen. Damit wird dem anfänglichen
Preisrückgang im Inlande ein Ende gesetzt. Dazu kommt, daß die
deutschen Käufer selbst dann nicht auf einzelne Auslandswaren
verzichten wollen, wenn sie durch die Valutaentwertung teurer
werden. Die Folge wird sein, daß die Steigerung der Inlandspreise
neuen Antrieb erhält. Auf der anderen Seite werden
die hohen Wechselkurse die deutschen Ausfuhrindustrien reizen,
in stärkerem Maße Ausfuhrgüter herzustellen; sie werden
dadurch die Abstellung des inländischen Warenmangels behindern
und so gleichfalls eine Tendenz zur Steigerung der inländischen
Preise auslösen. Wenn dieser Zustand eingetreten sein
wird: wiederum hohe Preise im Inland trotz Aufhebung der Blokkaae,
dann wird dem größeren Teil der deutschen Bevölkerung erst
zum Bewußtsein kommen, wie sehr Deutschland durch den Krieg
an Gütern verarmt ist, und wie sehr es durch die harten Friedensbedingungen
ausgebeutet wird. Denn unter gewöhnlichen Umständen
würden die hohen Wechselkurse und die hohen Exportpreise
ein wirksames Heilmittel zur Erholung und Kräftigung des
inneren Marktes darstellen, indem für den Gegenwert der gesteigerten
Exporte Rohstoffe, Lebensmittel oder Waren aus dem Auslande
eingeführt werden könnten. Die Überwindung der gefährlichen
Krise wird jetzt dadurch beeinträchtigt und die Leidenszeit
der deutschen Volkswirtschaft verlängert, daß die umfangreichen
Zwangsheferungen die an sich mögliche Ausfuhrtätigkeit in starkem
Maße behindern und Gegenwerte für die herausgehenden Entschädigungen
nicht entstehen.
So ist wenig Hoffnung vorhanden, daß in absehbarer Zeit über
den Weg des Außenhandels eine fühlbare und nachhaltige Ermäßigung
des hohen Preisstandes eintreten wird. Die Friedensbedingungen
wirken erfolgreich dem Abbau der Preise und damit
dem Nachlassen der allgemeinen Geldentwertung entgegen. Eine