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Finanzielle Maßnahmen zum Abbau der Preise.
Besserung der außenfinanziellen Lage wäre von der Erlangung
umfangreicher langfristiger Anleihekredite zu erwarten. Deutsch
land hat diese Anleihen nötig zur Einlösung der im Ausland be
findlichen 15 Milharden Marknoten, eines vielleicht ebenso hohen
Betrages kurzfristiger Auslandskredite, sowie zur Beschaffung der
ersten Ausstattung der deutschen Volkswirtschaft mit Rohstoffen
und Lebensmitteln, um die wirtschaftliche Arbeit wieder in Gang
zu bringen, wofür mindestens weitere 15 Milliarden Mark erforder
lich sind. Es handelt sich also insgesamt um sehr erhebliche Be
träge, wenn auf diesem Wege etwas erreicht werden soll. Die An
leihen müßten mit langfristigen Rückzahlungsverpflichtungen aus
gestattet sein, um Deutschland die Möglichkeit zu geben, in dem
Zeitpunkt zur Tilgung zu schreiten, wenn die Volkswirtschaft
wieder mit Überschüssen arbeitet. An diesen Überlegungen geht
der Friedensvertrag vorbei. Um so mehr lohnt es sich, die Ansicht
eines gewiß Unverdächtigen, des ehemaligen Ratgebers des
britischen Schatzamtes, Sir George Paish, — kennenzulernen.
Im Londoner Star vom 8. Juli 1919 führt letzterer aus:
Jeder, der das Material über Deutschlands Produktionsfähigkeit und seine
Fähigkeit, Waren nach ausländischen Märkten auszuführen, prüft, muß zu dem
Schluß kommen, daß Deutschland nur einen kleinen Bruchteil der Summe bezahlen
kann, die man von ihm fordert. Die Erfahrung dürfte zeigen, daß Deutschlands
Fähigkeit, für die Waren und Rohstoffe zu bezahlen, die es notwendig braucht,
derartig geschwächt worden ist, daß es nicht imstande sein wird, selbst die wichtig
sten Nahrungsmittel und Rohstoffe, die es zum Leben braucht, zu bezahlen, und
daß man Deutschland jahrelang durch Anleihen wird helfen müssen, um es vor
Hungersnot zu bewahren.
Ohne diese langfristigen Kredite, für deren Bewilligung allein
noch Amerika in Frage käme, bleibt den Besitzern der umfang
reichen Forderungen auf Deutschland fast nichts anderes mehr
übrig, als die deutsche Volkswirtschaft nach und nach auszukaufen,
Besitz von den deutschen Bergwerken, Fabriken, Eisenbahnen,
Forsten zu nehmen — solange sie rentabel sind oder durch die Roh
stoffbelieferungen wieder rentabel werden. Man wird den Einfluß,
den die ausländischen Gläubiger auf die Preispolitik und damit
auf das deutsche Wirtschaftsleben gewinnen können, vom Stand
punkt der Selbständigkeit der deutschen Volkswirtschaft bedauern
müssen; unter den obwaltenden Verhältnissen: Zwangslie^erungen
an die Entente, Mangel an Rohstoffen, Arbeitslosigkeit, Fehlen aus
ländischer Zahlungsmittel, Ausbleiben langfristiger Anleihekredite.