Full text: Inflation und Geldentwertung

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Finanzielle Maßnahmen zum Abbau der Preise. 
dann hat es für Deutschland keinen Wert, vorzeitig die Gesamt 
entschädigungssumme kennen zu lernen . . . 
Mit der Ablieferung der Kohlen, Schiffe, Chemikalien, der Ma 
terialien und der Gestellung von Arbeitskräften zum Wiederaufbau 
der zerstörten Gebiete ist es nicht allein getan. Die Besitzer der 
abzuliefernden Werte, die Unternehmer und Arbeiter, die die ver 
langten Güter hersteilen und Dienstleistungen verrichten, müssen 
für die Hingabe ihres Besitzes, für ihre Arbeit entschädigt, bezahlt 
werden. Indem das Reich an diese unmittelbar an den Zwangslie 
ferungen beteiligten Personen jene Summe Geldes bezahlt, veraus 
lagt, übernimmt in Wirklichkeit die Gesamtheit der Bevölkerung 
die Tragung der Kosten, zu denen der Friedensvertrag das Deutsche 
Reich verpflichtet hat. So entsteht für die Reichsfinanz Verwaltung 
die weitere Notwendigkeit, den Gegenwert der bis zum 1. Mai 1921 
in ausländischen Kapitalanlagen, Waren und Arbeit zu entrichten 
den 20 Milliarden Goldmark im Inland in Papiermark aufzubringen, 
um damit die Besitzer oder Erzeuger der abzuliefernden Werte zu 
bezahlen. 60—80 Milliarden Mark bis zum 1. Mai 1921 heißt: etwa 
30—40 Milliarden Mark für ein Jahr, um die sich die Ausgaben 
rechnung des Reichshaushaltes erhöht. Wie soll diese Summe neben 
den 25 Milliarden Mark, die zur Deckung der inneren öffentlichen 
Lasten bereits erforderlich sind und schon jetzt zu außerordent 
lichen Steuermaßnahmen zwingen, wie sollen weitere 30 bis 40 Mil 
harden Mark in Geld aufgebracht werden ? Das ist die große und 
bange Frage, die auf der Zukunft der deutschen Finanzen lastet. 
Nur ein kleiner Teil der Entschädigungssummen kann unmittelbar 
auf dem Steuerwege aufgebracht werden, indem das Einkommen aus 
den Wiederaufbauarbeiten und den sonstigen Lieferungen an die 
Entente von den einzuführenden Steuern erfaßt wird. Nach den 
Kriegsgewinnen und den Revolutionsgewinnen wird man den dritten 
außergewöhnlichen Gewinn, den Wiederaufbaugewann, sicher zu 
vermeiden wissen. Nichtsdestoweniger wird eine Summe von minde 
stens 20—25 Milliarden Mark jährlich auf Anleihe zu nehmen sein, 
bis bessere Zeiten ihre Abtragung ermöglichen. Bei einem Umlauf 
von bereits 80 Milharden Mark schwebenden Schulden ist natürlich 
an eine Unterbringung dieser neuen 20 oder 25 Milliarden Mark in 
feste langfristige Anleihen vor der Hand nicht zu denken. Die 
Zinsen der Anleihemehrung erhöhen hingegen sofort die ordent 
lichen Ausgaben des Reiches und zwingen zur Erschließung neuer
	        
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