Full text: Inflation und Geldentwertung

Erster Teil. 
Die Finanzwirtschaft während des Krieges unter dem 
Gesichtswinkel der Inflation und der Preise. 
» 
I. Inflation und Geldvermehrung. 
1. Wenn die Reichsfinanzverwaltung für mittelbare oder un 
mittelbare Kriegszwecke Zahlungen zu leisten hatte, so beschaffte 
eie sich die hierzu erforderlichen Geldmittel bei der Reichsbank. 
Die Reichsbank gab diese Mittel her, indem sie dafür vom Reich 
Schatzanweisungen, d. h. Schuldurkunden erhielt, in denen das 
Reich die Rückzahlung der empfangenen Beträge innerhalb einer 
bestimmten Frist versprach. Das Reich nahm also Kredit bei der 
Reichsbank in Anspruch. Über die Rückzahlung dieses Kredites 
wird weiter unten zu sprechen sein. 
Die Geldmittel, die das Reich erhielt, waren Banknoten, Dar 
lehnskassenscheine oder Giroguthaben. Sie wurden an die Zah 
lungsempfänger, als da waren: Lieferanten, Truppen, Arbeiter, Be 
amte, Angehörige oder Hinterbliebene von Kriegsteilnehmern, aus 
gehändigt oder auf diese übertragen. Für das Reich bedeutete die 
Kreditbeanspruchung die Schaffung neuer, d. h. nicht im Tausch 
verkehr der Volkswirtschaft entstandener Kaufkraft, über die es 
nach Gutdünken verfügen konnte. Das Reich übertrug diese neue 
— oder wie sie auch genannt wird — zusätzliche Kaufkraft auf die 
Zahlungsempfänger, und zwar in Gestalt der von der Reichsbank 
erhaltenen Noten und Giroguthaben. Insofern ist es richtig, zu 
sagen, daß die vom Reiche neugeschaffene Kaufkraft in der Form 
des Geldes in die Volkswirtschaft eingeströmt ist. Mit der Schaf 
fung der zusätzlichen Kaufkraft war also auch eine wirkliche Ver 
mehrung von Geld im technischen Sinne verbunden, d. h. der Volks 
wirtschaft wurde bestimmtes Geld, nämlich: Münzen, Noten, Giro 
guthaben neu zugeführt. In diesem Augenblick bestand die 
Kaufkraftsteigerung der Einzelwirtschaften aus Geld im Sinne der
	        
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