Full text: Inflation und Geldentwertung

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Finanzielle Maßnahmen zum Abbau der Preise. 
sofort nach Zusammentritt der Nationalversammlung zur Ein 
führung gelangt wären, bzw. wie sie tatsächlich wirken würden, 
wenn sie bei Beginn der neuen Friedenswirtschaft eingeführt wür 
den. Soweit Verbrauchssteuern in Frage stehen (solche werden 
sich trotz schwerer Bedenken selbst für die Massenartikel des täg 
lichen Lebens nicht ganz umgehen lassen), kann nicht fraglich 
sein, daß sie an sich preissteigernd wirken, insbesondere in einer 
Zeit, in der sowohl eine Vermehrung der Warenmengen als auch 
eine weitere Einschränkung des Konsums auf die größten Schwierig 
keiten stößt. Dasselbe ist von der Umsatzsteuer anzunehmen, 
deren Ertrag erheblich gesteigert werden soll. Als sichere Folge 
würde also zurzeit für die meisten Waren eine Preissteigerung an 
statt einer Preissenkung eintreten. Die Preissteigerungen würden, 
wenn sie allgemein und in fühlbarem Ausmaß erfolgten, die Wünsche 
nach Lohnsteigerungen unterstützen, was wiederum dem Rückgang 
der Preise entgegen wirken würde. Nicht viel anders würden die 
Rückwirkungen von der Steigerung der Erträge aus den direkten 
Steuern, insbesondere der Einkommensteuer, sein. Es werden zwar 
eine Anzahl von Einzelwirtschaften die neuen Lasten nicht so leicht 
abwälzen können, wie z. B. die auf feste Kapitalzinsen angewiesenen, 
erwerbsunfähigen Rentner, oder die unter den augenblicklichen wirt 
schaftlichen Verhältnissen nur ungenügend beschäftigten Handels 
und Industrieunternehmungen; in der großen Mehrzahl der Fälle 
werden aber die Einzelwirtschaften auch die Einkommensteuern 
mit Erfolg abwälzen können, sei es, daß die Unternehmer höhere 
Preise fordern, oder daß die Angestellten und Arbeiter Er 
höhungen ihrer Einkommen durchsetzen. 
Unter den obwaltenden wirtschaftlichen Verhältnissen wäre 
also in der Zeit bis zur Unterzeichnung des Friedens von der Ein 
führung der laufenden Steuern eine preissenkende Wirkung nicht zu 
erwarten gewesen. Gewiß wäre die Kaufkraft einer Zahl von Wirt 
schaften, denen eine Abwälzung der Steuer nicht gelungen wäre, ver 
ringert worden ; aber die Hauptmasse der Einzelwirtschaften hätte 
diese Verringerung durch Lohnsteigerungen ausgeglichen, wäre 
weiter in demselben Ausmaß für die Masse der wenigen Waren, die 
vorhanden waren, als Käufer auf getreten. Wenn die Verwendung 
der Reichs Schatzanweisungen zur Beschaffung von Mitteln für die 
laufenden Ausgaben während der Waffenstillstandszeit vielleicht 
nicht mehr ganz so gefährlich war, wie im Kriege, so dürfte das
	        
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