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Der Mangel des wöchentlichen Ruhetages schadet auf maucherlei-
weise Gesundheit und Arbeitskraft und führt allmählich zu unheil
barem Siechtum, zu Erwerbsunfähigkeit und vorzeitigem Tode."
Zur Abwendung solcher Schädigungen halten wir die gegen
wärtige Beschränkung der Arbeitszeit an Sonn- und Feiertagen
auf 5 Stunden nicht für genügend, wennschon sie einen wesent
lichen Fortschritt gegen die früheren Zustände darstellt. Wir
erachten vielmehr die unverkürzte Sonntagsruhe für not
wendig, wie ja auch die angeführte Resolution nicht von
einem halben, sondern von einem ganzen wöchentlichen Erholungs
tage spricht.
Notwendig erscheint uns die Erweiterung der Sonntagsruhe
endlich mit Rücksicht auf die Pflege des Familienlebens,
das mit Recht als die sicherste Grundlage eines geordneten
Staatswesens gilt. Es ist eine erwiesene Tatsache, daß die Ge
legenheit zum Selbständigwerden infolge des Großbetriebes für
den Kaufmann bedeutend abgenommen hat. Die Zahl der selb
ständigen Kaufleute ist immer geringer, die der Angestellten,
namentlich auch der älteren, verheirateten Angestellten, immer
größer geworden, ohne daß man heute schon von einem Abschluß
dieser Entwicklung sprechen kann. Den Tausenden verheirateter
Angestellten ist die Woche über wenig Gelegenheit zum Verkehr
mit den Ihrigen und zur Einwirkung auf die Erziehung ihrer
Kinder gegeben.
Aber auch sehr vielen Prinzipalen ergeht es in dieser Be
ziehung heute nicht besser; der erhöhte Konkurrenzkampf und
das, namentlich in den Großstädten oft weite Abgelegensein der
Geschäftsräume von der Privatwohnung haben dieses bewirkt.
Am schlimmsten aber steht es hierin mit den Geschäftsreisenden;
für sie ist in tausenden von Fällen der Sonntag der einzige Tag,
an welchem sie ihrer Familie gehören können. Und doch müssen
viele von ihnen es sich gefallen lassen, auch noch an diesem einen
Tage für mehrere Stunden geschäftlich in Anspruch genommen
zu werden. Ja, mit Vorliebe wird von den Gegnern der völligen
Sonntagsruhe im Großhandel immer geltend gemacht, es sei un