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liche Überzeugung oder die politische Gesinnung strafen zu wollen, oder die
äußere Bekundung einer politischen Meinung oder deren Betätigung zu
erzwingen. Ferner beschloß der Kongreß eine den Antisemitismus
scharf verurteilende Resolution, eine Resolution zur Krisenfrage, sowie
mit 236 gegen 5 Stimmen eine Resolution, die, unter Hinweis auf den
herrschenden großen Geschäftsdruck, die Proklamierung der allgemeinen
Arbeitsruhe für den 1. Mai 1893 für undurchführbar erklärte und dafür
empfahl, die Feier am Abend des ersten Mai abzuhalten.
Zn der Debatte über den Boykott und die gewerkschaftliche Kontrollmarke
kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Referenten, Zgnaz Auer, und
dem Vorsitzenden der Generalkommission der Gewerkschaften, Karl Legien,
die gegensätzliche Auffassungen vermuten ließen. Diese Auseinandersetzungen
wurden nach dem Kongreß brieflich und auch in der Presse fortgesetzt und
nahmen einen sehr gereizten Charakter an. Demgemäß ward die Frage
des Verhältnisses der Parteigenossen zu den Gewerkschaften auf die Tagesordnung
des nun folgenden Parteitages gestellt, der vom 22. bis
28. Oktober 1893 in Köln a. Rh. Sitzung hielt. Nach Referaten von
Auer und Legien und einer sehr lebhaften Debatte, in der die Geister hart
aneinander gerieten, ward eine Resolution, die es für die Pflicht jedes
Genossen erklärte, sich, sofern nicht zwingende Gründe ihn hindern, der
Gewerkschaft seines Berufes anzuschließen, mit 169 gegen 29 Stimmen
abgelehnt, und darauf die Resolution des Referenten angenommen, die es für
Pflicht der Genossen erklärte, „unermüdlich für die Erkenntnis der Bedeutung
der gewerkschaftlichen Organisationen zu wirken und mit aller Entschiedenheit
für deren Stärkung einzutreten". Bezüglich der Maifeier nahm der
Kongreß, gemäß den inzwischen auf dem Internationalen Arbeiterkongreß
von Zürich in dieser Sache gefaßten Beschlüssen, eine von Liebknecht vorgelegte
Resolution an, die erklärte, daß die Partei die allgemeine Arbeitsruhe
als würdige Feier des ersten Mai erstrebt, bei der gegebenen Wirtschaftslage
aber nur denjenigen Arbeitern und Organisationen die Arbeitsruhe
empfehle, die dazu ohne Schädigung der Arbeiterinteressen imstande
seien. Der Kongreß wiederholte nach einem eingehenden Referat Bebels,
das später erweitert als Broschüre herausgegeben wurde, eine schon vom
Berliner Kongreß angenommene Resolution gegen den Antisemitismus,
und erklärte sich, entgegen einer von Ed. Bernstein in der „Neuen Zeit"
entwickelten Anregung, einstimmig gegen jede Beteiligung an den Landtagswahlen
in Preußen unter dem Dreiklassenwahlsystem. Dagegen fand ein
Antrag Annahme, ein Wochenblatt der Partei herauszugeben. Dieses
Blatt trat am 1. Februar 1894 unter dem Titel „Der Sozialdemokrat"
in Berlin ins Leben, fand indes nicht die genügende Verbreitung, und so
wurde, laut Beschluß des Breslauer Parteitages (1895), sein Erscheinen
mit Ende November 1895 wieder eingestellt.
Über die nun folgenden Kongresse mögen summarische Zusammenfassungen
Bericht geben.
Frankfurt a. Main (21. bis 27. Oktober 1894). Debatte über Budgetbewilligungen
im bayerischen und anderen süddeutschen Landtagen. Eine
Resolution, die den Abgeordneten der Partei in den Landtagen die Verweigerung
der Budgets zur Pflicht macht, wird mit 164 gegen 64 Stimmen
abgelehnt, nachdem ihr mit 131 gegen 103 Stimmen ein Amendement (Stadt-