Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Wahlkreis  ward  eine  Resolution  angenommen,  welche  jenen  Beschluß  wiederholte ­
  und  außerdem  verlangte,  daß
„überall,  wo  durch  die  Beteiligung  der  Sozialdemokratie  Einfluß  auf  die
Gestaltung  der  Wahl  vorhanden  ist,  sozialdemokratische  Wahlmänner
aufzustellen  sind."
2m  zweiten  Wahlkreis  faßte  man  überhaupt  keinen  Beschluß,  im  dritten
erklärte  man  sich  dafür,  daß  die  Entscheidung  über  die  Frage  den  preußischem
Delegierten  überlassen  werde,  im  vierten,  fünften  und  sechsten  Wahlkreis
dagegen  wurden  Resolutionen  beschlossen,  die  sich  mehr  oder  minder  schroff
gegen  die  Wahlbeteiligung  aussprachen.  Im  ersten,  dritten  und  fünften
Wahlkreis  wurden  bei  dieser  Gelegenheit  noch  Beschlüsse  gefaßt,  die  Erweiterung ­
  der  Rechte  der  Berliner  Preßkommission  in  bezug  auf  die  Kontrolle
des  „Vorwärts"  und  ein  Mitbestimmungsrecht  Berlins  bei  der  Anstellung
von  Redakteuren  forderten.
Als  im  Sommer  1898  Neuwahlen  für  den  preußischen  Landtag  bevorstanden, ­
  fand  am  23  August  eine  von  den  Vertrauenspersonen  Berlins
einberufene  allgemeine  Pacteiversammluag  statt,  um  die  Frage  zur  Entscheidung ­
  zu  bringen,  ob  man  gemäß  der  vom  Äamburgcr  Parteitag  in
dieser  Sache  gefaßten  Resolution  sich  an  der  Wahl  beteiligen  solle  oder
nicht.  Diese  Resolution  hatte  die  Beteiligung  als  dort  für  geboten  erklärt,
wo  die  Verhälmisse  eine  solche  den  Parteigenossen  ermöglichten,  die  Entscheidung ­
  darüber,  ob  dies  der  Fall  sei,  aber  den  Genossen  in  den  einzelnen
Kreisen  überlassen.  Ein  Zusatz  dazu  verbot  außerdem  das  Abschließen  von
Kompromissen  oder  Bündnissen  mit  gegnerischen  Parteien.  Da  nun  in
Berlin  die  Möglichkeit  eines  Wahlsieges  ohne  Bündnis  nicht  bestehe,  so
sei  auch,  führte  der  Referent  der  Versammlung,  G.  Ledebour,  aus,  die
Wahlbeteiligung  in  Berlin  nicht  durch  die  Verhältnisse  gerechtfertigt,  sondern
Wahlenthaltung  zu  empfehlen.  Seine  Ausführungen  wurden  in  der  Versammlung ­
  für  durchschlagend  befunden,  und  cs  ward  eine  in  diesem  Sinne
lautende  Resolution  beschlossen,  die  außerdem  noch  betonte,  daß  die  bürgerlichen ­
  Oppositionsparteien  die  auf  sie  in  den  letzten  Jahren  gesetzten  Hoffnungen ­
  schwer  enttäuscht  hätten  und  die  Arbeiter  nach  wie  vor  auf  ihre
eigenen  Kräfte  angewiesen  seien.  Dieser  Resolution  schloß  sich  auch  am
28.  August  eine  Kreiskonfercnz  des  Wahlkreises  Tcltow-Bceskow-Charlottenburg
  mit  35  gegen  17  Stimmen  an.
Am  27.  Dezember  1898  fand  in  Wilkes  Restaurant  die  erste  Konferenz,
sozialdemokratischer  Gemeindevertreter  der  Provinz  Brandenburg  statt.  Sie
war  von  46  Gemeindevcrtretern,  darunter  33  von  Groß-Berlin,  besucht  und
arbeitete  ein  ganzes  kommunalpolitisches  Programm  aus,  dessen  Text  im
Kapitel  über  die  Kommunalpolitik  der  Berliner  Sozialdemokratie  zu  finden
ist.  Auf  Antrag  Paul  Singers  wurde  beschlossen,  diese  Konferenzen  alle
zwei  Jahre  zu  wiederholen.
Von  den  Konferenzen  des  Jahres  1899  verlangten  sowohl  die  Konferenz
des  Kreises  Teltow-Beeskow-Charlottenburg  (3.  September)  wie  die  Konferenz ­
  der  Provinz  Brandenburg  (17.  September)  wiederum  eine  stärkere
und  systematisch  betriebene  Agitation  unter  den  Frauen.  In  Berlin  war
am  11.  Januar  von  einer  stark  besuchten  Volksversammlung  nach  einem
Referat  der  Genossin  Lily  Braun  die  Gründung  eines  „Vereins  für
Frauen  und  Mädchen  der  Arbeiterklasse  zur  Förderung  des  Wissens  und
            
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