Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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der  Taktik,  die  den  Parteitag  von  Lannover  drei  und  einen  halben  Tag
beschäftigt  hatten,  bildeten  diese  Abstimmungen  den  Gegenstand  sehr  lebhafter ­
  Erörterungen  in  den  Versammlungen,  in  denen  am  24.  Oktober  1899
die  Delegierten  Berlins  über  den  Parteitag  Bericht  erstatteten.  Lbcrall
erklärte  man  sich  mit  großer  Mehrheit  mit  seinen  Beschlüssen  einverstanden;
wenn  es  auch  nicht  ganz  an  Rednern  fehlte,  die  in  dem  einen  oder  anderen
Punkt  sich  zu  den  Artschauungen  Bernsteins  oder  seiner  Verteidiger  bekannten, ­
  so  blieben  das  doch  vereinzelte  Stimmen.  Mit  großer  Genugtuung ­
  ward  in  den  bezeichneten  Versammlungen  davon  Kenntnis  genommen,
daß  der  Kongreß  den  Wünschen  der  Berliner  Parteimitgliedschaften  in
bezug  auf  die  Erweiterung  der  Aufsichts-  und  Einspruchsrechte  der  Preßkommission
  Berlins  hinsichtlich  des  „Vorwärts"  Folge  gegeben  habe.
Mit  dem  Jahre  1900  trat  das  Pohcnlohesche  Notvereinsgesetz  in  Kraft,
die  Bestimmungen  der  einzclstaatlichen  Vereinsgesetze,  die  politischen  Vereinen ­
  verboten,  niiteinander  in  Verbindung  zu  treten,  fielen  hinweg,  und
verschiedene  Bestimmungen  im  Organisationsstatut  der  Gesamtpartei,  die
nur  der  Rücksicht  auf  jene  Verbote  ihre  Existenz  verdankten,  wie  auch  allerhand ­
  Vorbeugemaßnahincn  im  Aufbau  der  örtlichen  Organisationen
wurden  damit  überflüssig.  Naturgemäß  steht  daher  in  diesem  Jahre  die
Organisationsftage  im  Vordergrund  der  Beratungen  sowohl  der  Generalversanunlungen
  der  Wahlkreise  Berlins  (14.  August)  als  auch  der  Kreiskonferenzen
  der  Vorortswahlkreise  —  Niederbarnim  9.  Januar,  19.  August
und  10.  Oktober,  und  Teltow-Beeskow-Charlottenburg  19.  August
und  den  9.  Dezember.  Für  den  letzteren  Wahlkreis  ward  als  Resultat  der
Beratungen  am  9.  Dezember  1900  der  Zentral-Wahlverein  des  Kreises
gegründet,  der  am  1.  Januar  1901  ins  Leben  trat.  Seinen  ersten  Vorstand
bildeten:  Otto  Goerkc,  erster  Vorsitzender,  Bruno  Borchardt,  zweiter
Vorsitzender,  Paul  Pirsch,  Schriftführer,  Will).  Eberhardt,  Kassierer
und  Schnell,  Beisitzer.  In  Niederbarnim  begnügte  man  sich  vorläufig
damit  —  Konferenz  vom  20.  Oktober  1900  —  den  Kreis  in  zwölf  Bezirke
einzuteilen  und  für  jeden  dieser  Bezirke  einen  Bezirkswahlverein  zu  gründen.
In  verschiedenen  Versammlungen  wird  die  Frage  der  Beteiligung  an  den
Landtagswahlen  aufs  neue  besprochen,  und  der  Wahlkreis  Teltow-Beeskow-Charlottenburg
  beschließt  am  19.  August,  nach  Referaten  von  P.  Pirsch
für  und  Fr.  Zubeil  gegen  Beteiligung,  mit  31  gegen  28  Stimmen  einen
von  Pirsch  formulierten  Antrag,  der  bevorstehende  Parteitag  möge  „der
bisherigen  ünklarheit  in  der  Frage  unserer  Taktik  bei  den  Landtagswahlen
in  Preußen  ein  Ende  machen  durch  den  Beschluß  allgemeiner  und  selbständiger ­
  Beteiligung  der  sozialdemokratischen  Parte!  bei  den  nächsten  preußischen ­
  Landtagswahlen".  Dagegen  stimmt  am  gleichen  Tage  der  Wahlkreis ­
  Niederbarnim  auf  seiner  Konferenz  einem  von  Stadthagen  vorgelegten ­
  Antrag  an  den  Parteitag  zu,  die  Entscheidung,  ob  eine  Beteiligung
an  den  preußischen  Landtagswahlen  vorzunehmen  sei,  den  einzelnen  Wahlkreisen ­
  zu  überlassen.
Der  Parteitag  —  Mainz  —  lehnte  diesen  letzteren  Antrag  ab  und
nahm  mit  163  gegen  66  Stimmen  einen  von  Bebel  gestellten  Antrag  an,
daß  in  denjenigen  deutschen  Staaten,  wo  das  Drciklassenwahlsystem  bestehe,
die  Parteigenossen  verpflichtet  seien,  bei  den  nächsten  Wahlen  mit  eigenen
Wahlmännern  in  die  Wahlagitation  einzutreten.
            
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