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wurde ferner mit Mehrheit der Antrag an den Parteitag gestellt, zum
Verhalten Max Schippels in Zoll- und Landelsfragen Stellung zu
nehmen und eventuell Schippels Ausschluß aus der Partei herbeizuführen.
Es bezog sich das auf einen Vortrag über Landelspolitik, den Max
Schippe! im Dezember 1903 im Wahlverein des dritten Berliner Reichstagewahlkreiscs
gehalten hatte. Schippe! hatte darin den Standpunkt der
Zollfreunde in einer Weise dargestellt, die als eine Anerkennung der Zollpolitik
der Schutzzöllner erschien, und an diesen Vortrag, über den im
„Vorwärts" an auffälliger Stelle berichtet worden war, hatte sich eine
große Debatte geknüpft. Es wurde in den Zusammenkünften der Sozialdemokraten
Berlins sehr viel über ihn gesprochen, und auch in der Presse
rief er eine lebhafte Polemik hervor. Die Stimmung der Mehrheit der
Genossen war Schippe! überaus ungünstig, wenn auch viele einen Ausschluß
für eine zu starke Maßregel hielten. Man machte Schippe! namentlich
das zum Vorwurf, daß er, statt offen mit seinen Ansichten herauszurücken,
unausgesetzt in Wort und Schrift Material für die Gegner der
von der Partei verfochtenen Handelspolitik zusammentrage. Eine Resolution,
die in diesem Sinne gegen Schippe! wegen Zweideutigkeit scharfen Tadel
ausspricht, fand auf dem Parteitag — Bremen — nach längerer Debatte
eine große Mehrheit.
Es mag hierbei erwähnt werden, daß im Jahre 1904 Ed. Bernstein,
nachdem ihm im Anschluß an die Dresdener Vorgänge die Mitarbeiterschaft
am „Vorwärts" gekündigt war, in Berlin eine sozialdemokratische
Montagszeitung, „Das Neue Montagsblatt", ins Leben rief. Diese
Gründung gab zu verschiedenen Besprechungen von Parteimitgliedern Anlaß.
Die Zentralinstanzen der Berliner Parteiorganisation, denen der Genannte
von ihr Mitteilung gemacht hatte, einigten sich auf eine Erklärung,
daß sie das Blatt als eine Privatangelegenheit betrachteten, welche die
Partei in keiner Weise berühre. Im Gegensatz dazu erklärten Ende April
die Vertrauensmänner des Wahlkreises Berlin IV (Ost) auf Antrag von
Ad. Loffmann, daß sie in der .Herausgabe der Zeittmg durch Ed. Bernstein
einen „Verstoß gegen die Interessen der Partei" erblickten und daher
die Genossen aufforderten, die Zeitung „weder durch Abonnement noch durch
Einzellauf zu unterstützen". Dieser Beschluß rief eine Gegenerklärung
der Vettrauensleute der andern Wahlkreise Berlins sowie des Wahlkreises
Berlin IV (Südost) hervor, worin betont wird, daß das Blatt Bernsteins
kein Konkurrenzunternehmen gegen ein Parteiorgan sei und damit eine
neutrale Laltung ihm gegenüber selbstverständlich sei. Dann heißt es weiter:
„Ob ein Parteigenosse das Blatt durch Kauf oder Abonnement
unterstützt, ist seine Privatangelegenheit, über die niemand zu bestimmen
hat. Sollte sich die Sachlage ändern, so würden wir von neuem Stellung
nehmen, haben aber zurzeit keine Veranlassung, „Befürchtungen" oder
„Vermutungen" Rechnung zu tragen."
Schließlich wird dann noch das Bedauern darüber ausgesprochen, daß
die Verttauensmänncr von Berlin IV (Ost) als einzelne vorgegangen
seien, statt ihre gegenteilige Anschauung einer Gesamtsitzung der Vertrauensmänner
vorzulegen. Das „Neue Montagsblatt" konnte sich indes nicht
halten und stellte im November 1904 sein Erscheinen ein.