Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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die  gegen  die  erneute  Flottenvermehrung  ihre  Stimme  erhoben.  Es
sind  dies  die  Versammlungen,  die  bekannte  Gelehrte  und  nationalistische
Politiker  als  Anwälte  der  Flottenvermehrung  auftreten  sahen,  ohne  daß  es
jedoch  diesen  „Flottenprofessoren"  gelang,  die  Berliner  Arbeiter  umzustimmen.
Die  überall  gegen  vereinzelte  Stimmen  beschlossene  Resolution  begründete
die  Verwerfung  mit  dem  Linweis,  daß  das  Ergebnis  der  Vermehrung  der
Flotte  erhöhte  Reibungen  mit  anderen  Ländern  und  erhöhte  Steuern  für
das  Volk  bedeuten  werde.
Gegen  eine  damals  an  den  preußischen  Landtag  gelangte  und  von
diesem  auch  zum  Gesetz  erhobene  Steuervorlage,  die  die  Geschäftsumsätze ­
  der  Warenhäuser  einer  Sondersteuer  unterwirft,  protestierten
am  9.  März  1900  die  Landelsangestellten  Berlins  in  einer  Massenversammlung. ­

In  den  Jahren  1901,  1902  und  1903  sind  es  die  Vorgänge,  die  sich
an  die  Vorberatung,  Beratung  und  Durchpeitschung  des  neuen  Zolltarifs ­
  knüpfen,  welche  Protestversammlungen  der  Berliner  Arbeiterschaft
zur  Folge  haben.  Schon  gleich  nachdem  die  ersten  Nachrichten  über  die
Zollerhöhungen  bekannt  wurden,  welche  der  im  Reichsschatzamt  ausgearbeitete
Tarifentwurf  dem  Reichstag  vorschlagen  sollte,  nahmen  die  Arbeiter  Berlins
am  21.  Januar  1901  in  26  Volksversammlungen  Resolutionen  gegen  die
geplante  Erhöhung  der  Getreidezölle  an,  in  denen  die  Lebcnsmittelzölle
  als  die  schwerste  und  ungerechtfertigteste  Belastung  des  Volkes,  sowie
als  Erschwerungen  des  Güteraustausches  der  Nationen  bezeichnet  wurden
und  ihre  gänzliche  Beseitigung  gefordert  wurde.  Am  20.  September  1901
fand  eine  Protestversammlung  von  Arbeiterfrauen  statt  gegen  die  Verteuerung ­
  von  Milch  und  Fleisch  durch  agrarische  Ringe  und  die  von  den
Agrariern  erwirkten  Grenzsperren;  das  Aufschnellen  der  Fleischpreise  während
des  Jahres  1902  führte  im  Äerbst  1902  zu  verstärkten  Protestäußerungen
in  diesem  Sinne.  Am  11.  September  1902  fanden  in  Berlin  17  Protestversammlungen ­
  größten  Stils  statt,  in  denen  eine  sehr  starke  Erbitterung
über  den  „FleischWucher"  zutage  trat  und  erneuter  Protest  gegen  die
neuen  Lebensmittelzölle  erhoben  wurde;  Versammlungen  gleichen  Charakters
folgten  im  zweiten  Teil  des  September  und  im  Oktober  in  Vororten  und
Nachbarorten,  und  am  10.  November  beschäftigten  sich  aufs  neue  zehn
große  Versammlungen  in  Berlin  mit  der  Abwehr  gegen  die  Verteuerung
der  Lebensmittel  unter  Betonung  des  Werts  der  Arbeiterkonsumvereine  in
diesem  Kampfe.  Am  letztgenannten  Tage  und  am  11.  November  fanden
außerdem  zwei  große  Arbciterinnenversammlungen  statt,  in  denen  die  Vorkämpferin ­
  der  österreichischen  Arbeiterinnen,  Frau  Adelheid  Popp  aus
Wien,  referierte  und  die  gleichfalls  das  Thema  der  Fleischnot  auf  der
Tagesordnung  hatten.
Mittlerweile  hatten  die  Kämpfe  um  den  Zolltarif  im  Reichstag  zur
gewaltsamen  Abänderung  der  Geschäftsordnung  durch  die  schutzzöllnerische
  Reichstagsmehrheit  geführt.  Sie  ward  von  der  Sozialdemokratie
Berlins  mit  einem  Massenprotest  beantwortet,  der  das  bis  dahin  größte
Aufgebot  für  eine  Aktion  dieser  Art  in  Bewegung  brachte.  In  28  Volksversammlungen, ­
  die  sämtlich  vor  Beginn  überfüllt  waren,  protestierte  am
4.  Dezember  1902  die  Arbeiterschaft  Berlins  gegen  die  verfassungswidrige
Zerttümmerung  der  Geschäftsordnung  des  Reichstags,  durch  die  eine  er-
            
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