Full text: Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

184 
und das einem Monopolverband nahekommende Kohlensyndikat hielten die 
hohen Preise auch noch fest, als die Geschäftskonjunktur sich zum schlechteren 
wendete. So erhoben denn am 7. November 1900 in zehn großen Ver 
sammlungen die Arbeiter Berlins die Forderung an Staat und Ge 
meinden, durch bestimmte durchgreifende Gegenmaßregeln dieser Monopol 
wirtschaft das Handwerk zu legen. 
3. Politische und gewerkschaftliche Gelegenheitsdemonstrationen. 
Eine große Zahl von Demonstrationen der Arbeiter Berlins galt be 
deutsamen Vorgängen und Kämpfen in einzelnen Gewerben. Auch 
die wichtigsten dieser Kampfäußerungen seien hier aufgezählt. 
Am 19. April 1891 protestierte eine große, im Fcenpalast abgehaltene 
Volksversammlung gegen den bis dahin geheim gehaltenen Bund der 
großen Metallindustriellen Berlins, der auf Achtung der sozialistisch und 
gewerkschaftlich sich betätigenden Arbeiter abzielte und nach seinem Vor 
sitzenden, Fritz Kühnemann, dem Mitinhaber der großen Maschinen- 
bau- und Gießerei-Firma Rösscmann & Kühncmann, den Beinamen 
„Bund derKühne männer" erhielt. Was die Arbeiterschaft noch besonders 
empörte, war die Beteiligung von Staatswerkstätten an diesem „Komplott". 
Der Winter 1891/1892 sah einen Kampf im deutschen Buchdruckgewerbe, 
wie ihn dieses gleich ausgedehnt und hartnäckig bis dahin nicht gekannt 
hatte. 12 000 Gehilfen kämpften zehn Wochen für eine Verkürzung des 
Arbeitstages auf iteun Stunden. Am 6. Januar 1892, nachdem der 
Kampf schon über acht Wochen gedauert und nahezu zwei Millionen 
Mark an Llnterstützungsgeldern gekostet hatte, drückten die Berliner Arbeiter 
in vier großen Volksversammlungen den streikenden Buchdruckern ihre 
sich auch sofort in Taten umsetzende solidarische Gesinnung aus. 
Am 19. Januar 1892 protestierte eine große Versammlung von 
Handlungsgehilfen und -Gehilfinnen gegen den Beschluß des Magistrats 
und der Gewerbedeputation der Stadtverordnetenversammlung, die Arbeits 
zeit im Berliner Handelsgewerbe an Sonntagen in der vollen Dauer fort 
bestehen zu lassen, welche das Zusatzgesetz von 1891 zur Gewerbeordnung 
— das Arbeiterschutzgesetz des neuen Kurses — als die höchste zulässige 
Arbeitszeit bestimmt hatte. 
Am 13. März 1892, dem Jahrestag des Todes von Karl Marx, 
hielt die Arbeiterschaft Berlins zu Ehren des gefeierten Vorkämpfers eine 
große Gedächtnisversammlung im Saale des Feenpalastes ab. Lind am 
1. Oktober desselben Jahres feierte sie im gleichen Saale die Erinnerung 
an den Ablauf des Sozialistengesetzes. Am 24. September 1893 hatte sie 
die Freude, den Mitbegründer der Marxschen Gesellschaftstheorie, Marx' 
treuen Freund und Fortsetzer Friedrich Engels persönlich begrüßen zu 
dürfen und veranstalteten zu seinen Ehren einen großen Kommers. Im 
Jahr 1894, wo der große Bierboykott spielte, wurden während dieses 
Kampfes wiederholt große Demonstrationen veranstaltet, die stets eine 
Vielheit von Sälen (am 18. Mai 9, am 1. Juni 13, am 11. Juli 31, am 
27. Juli 39, am 24. August 37 und am 16. Oktober 27 Säle) füllten. 
Am 24. September 1894 fanden im Hinblick auf die ausstehende Gewerbe 
gerichtswahl 11 Versammlungen von Wählern zum Gewerbegericht statt, 
die gegen den juristisch-formalistischen Betrieb dieser Gerichte, zugleich aber
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.