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und das einem Monopolverband nahekommende Kohlensyndikat hielten die
hohen Preise auch noch fest, als die Geschäftskonjunktur sich zum schlechteren
wendete. So erhoben denn am 7. November 1900 in zehn großen Ver
sammlungen die Arbeiter Berlins die Forderung an Staat und Ge
meinden, durch bestimmte durchgreifende Gegenmaßregeln dieser Monopol
wirtschaft das Handwerk zu legen.
3. Politische und gewerkschaftliche Gelegenheitsdemonstrationen.
Eine große Zahl von Demonstrationen der Arbeiter Berlins galt be
deutsamen Vorgängen und Kämpfen in einzelnen Gewerben. Auch
die wichtigsten dieser Kampfäußerungen seien hier aufgezählt.
Am 19. April 1891 protestierte eine große, im Fcenpalast abgehaltene
Volksversammlung gegen den bis dahin geheim gehaltenen Bund der
großen Metallindustriellen Berlins, der auf Achtung der sozialistisch und
gewerkschaftlich sich betätigenden Arbeiter abzielte und nach seinem Vor
sitzenden, Fritz Kühnemann, dem Mitinhaber der großen Maschinen-
bau- und Gießerei-Firma Rösscmann & Kühncmann, den Beinamen
„Bund derKühne männer" erhielt. Was die Arbeiterschaft noch besonders
empörte, war die Beteiligung von Staatswerkstätten an diesem „Komplott".
Der Winter 1891/1892 sah einen Kampf im deutschen Buchdruckgewerbe,
wie ihn dieses gleich ausgedehnt und hartnäckig bis dahin nicht gekannt
hatte. 12 000 Gehilfen kämpften zehn Wochen für eine Verkürzung des
Arbeitstages auf iteun Stunden. Am 6. Januar 1892, nachdem der
Kampf schon über acht Wochen gedauert und nahezu zwei Millionen
Mark an Llnterstützungsgeldern gekostet hatte, drückten die Berliner Arbeiter
in vier großen Volksversammlungen den streikenden Buchdruckern ihre
sich auch sofort in Taten umsetzende solidarische Gesinnung aus.
Am 19. Januar 1892 protestierte eine große Versammlung von
Handlungsgehilfen und -Gehilfinnen gegen den Beschluß des Magistrats
und der Gewerbedeputation der Stadtverordnetenversammlung, die Arbeits
zeit im Berliner Handelsgewerbe an Sonntagen in der vollen Dauer fort
bestehen zu lassen, welche das Zusatzgesetz von 1891 zur Gewerbeordnung
— das Arbeiterschutzgesetz des neuen Kurses — als die höchste zulässige
Arbeitszeit bestimmt hatte.
Am 13. März 1892, dem Jahrestag des Todes von Karl Marx,
hielt die Arbeiterschaft Berlins zu Ehren des gefeierten Vorkämpfers eine
große Gedächtnisversammlung im Saale des Feenpalastes ab. Lind am
1. Oktober desselben Jahres feierte sie im gleichen Saale die Erinnerung
an den Ablauf des Sozialistengesetzes. Am 24. September 1893 hatte sie
die Freude, den Mitbegründer der Marxschen Gesellschaftstheorie, Marx'
treuen Freund und Fortsetzer Friedrich Engels persönlich begrüßen zu
dürfen und veranstalteten zu seinen Ehren einen großen Kommers. Im
Jahr 1894, wo der große Bierboykott spielte, wurden während dieses
Kampfes wiederholt große Demonstrationen veranstaltet, die stets eine
Vielheit von Sälen (am 18. Mai 9, am 1. Juni 13, am 11. Juli 31, am
27. Juli 39, am 24. August 37 und am 16. Oktober 27 Säle) füllten.
Am 24. September 1894 fanden im Hinblick auf die ausstehende Gewerbe
gerichtswahl 11 Versammlungen von Wählern zum Gewerbegericht statt,
die gegen den juristisch-formalistischen Betrieb dieser Gerichte, zugleich aber