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verordneten-Kollegien alle zwei Jahre ein Drittel der Abgeordneten jeder
Klasse oder „Abteilung", wie der gesetzliche Titel lautet, aus, so daß in
den Bezirken, in denen die Ausscheidenden gewählt waren, Neuwahlen
— Ergänzungswahlen genannt — stattzufinden haben. Die erste Ergän
zungswahl unter dem gemeinen Recht fand nun für die dritte Wählerklasse
am 17. November 1891 statt. Sie brachte der Sozialdemokratie eine sehr
erhebliche Vermehrung der Stimmen und zwei neue Mandate. Paul
Singer und Artur Stadthagen, die sich der Neuwahl zu unterziehen
hatten, wurden mit bedeutend erhöhter Stimmenzahl wiedergewählt, im
27. Bezirk wurde an Stelle von O. Peindorf, der sein Mandat nieder
gelegt hatte, I. Lenke gewählt, und neugewählt wurden in der Lauptwahl
Löhne (25. Bezirk), G. Sabor (26. Bezirk) und L. Borgmann
(34. Bezirk), in der Stichwahl Dr. I. Zadek (10. Bezirk). Im
40. Bezirk war Th. Mehner in Stichwahl gekommen, unterlag aber
nach heißem Kampf der Übermacht der vereinten Gegner. Bei der
Lauptwahl erzielte in allen 14 Bezirken der dritten Abteilung die Sozial
demokratie 14 964 gegen 16 442 gegnerische Stimmen, in den sieben
Bezirken, wo Sozialdemokraten gewählt wurden, war deren Stimmenzahl
zusammen 10 581 gegen 4913 Stimmen der Gegner.
So war die sozialdemokratische Fraktion im Roten Lause auf 14 Mit
glieder gestiegen. Das änderte sich auch nicht, als am 9. Juni 1892 drei
ihrer Mitglieder — Löhne, G. Sabor und Franz Tutzauer — ihre
Mandate niederlegten. Sie hatten sich bei der Beerdigung des am 16. Mai
1892 verstorbenen Oberbürgermeisters Max von Forckenbeck am Leichenzug
beteiligt, und dies war von den organisierten Parteimitgliedern Berlins als
ein Verstoß gegen die grundsätzliche Stellung der Partei in Resolutionen
verurteilt worden, die den Rücktritt notwendig machten. Indes ging die
Loffnung der Gegner, die betreffenden Stadtverordnetenbezirke nun der
Sozialdemokratie wieder entreißen zu können, nicht in Erfüllung. Nach
einem sehr heftigen Wahlkampf, in dem die unabhängigen Sozialisten der
Sozialdemokratie geräuschvoll entgegentraten und sich nach Kräften bemühten,
die Wahl der von diesen nunmehr aufgestellten Kandidaten, Bernh. Bruns
(26. Bezirk), Th. Mehner (15. Bezirk) und Jul. Wernau (25. Bezirk)
zu verhindern, wurden diese mit Glanz an die Stellen ihrer ausgeschiedenen
Parteigenossen gewählt.
Die Ergänzungswahlen des Jahres 1893 brachten eine Vermehrung
der Gruppe der Sozialdemokraten um drei weitere Mitglieder, nämlich
Gieshoit (36.Bezirk),J.Tolksdors(16.Bezirk), Wilke(23.Bezirk). Ferner
fand in zwei Bezirken ein Personenwechsel statt. Im 13. Bezirk trat an
Stelle O. Kleins Gottfr. Schulz, im 37. Bezirk ward Joh. Gnadt durch
Franz Gleinert erseht. Wiedergewählt ward Ew.Vogtherr, dessenMandat
erloschen war. Im 9. und 29. Bezirk waren die Parteimitglieder Kiehing
und Gumpel in Stichwahl gekommen, aber unterlegen. In den sechs Wahl
bezirken, in denen Sozialdemokraten gewählt wurden, wurden für diese 8702
gegen 4069 gegnerische Stimmen erzielt, in allen 14 Bezirken der dritten
Abteilung zusammen, in denen Ergänzungswahlen stattfanden, wurden
12111 sozialdemokratische gegen 13 391 gegnerische Stimmen abgegeben.
Einen ungünstigen Ausgang, was die Mandate anbetraf, nahm die
Ergänzungswahl des Jahres 1895. Zwar ward der Sitz für den 42. Bezirk