Full text: Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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verordneten-Kollegien alle zwei Jahre ein Drittel der Abgeordneten jeder 
Klasse oder „Abteilung", wie der gesetzliche Titel lautet, aus, so daß in 
den Bezirken, in denen die Ausscheidenden gewählt waren, Neuwahlen 
— Ergänzungswahlen genannt — stattzufinden haben. Die erste Ergän 
zungswahl unter dem gemeinen Recht fand nun für die dritte Wählerklasse 
am 17. November 1891 statt. Sie brachte der Sozialdemokratie eine sehr 
erhebliche Vermehrung der Stimmen und zwei neue Mandate. Paul 
Singer und Artur Stadthagen, die sich der Neuwahl zu unterziehen 
hatten, wurden mit bedeutend erhöhter Stimmenzahl wiedergewählt, im 
27. Bezirk wurde an Stelle von O. Peindorf, der sein Mandat nieder 
gelegt hatte, I. Lenke gewählt, und neugewählt wurden in der Lauptwahl 
Löhne (25. Bezirk), G. Sabor (26. Bezirk) und L. Borgmann 
(34. Bezirk), in der Stichwahl Dr. I. Zadek (10. Bezirk). Im 
40. Bezirk war Th. Mehner in Stichwahl gekommen, unterlag aber 
nach heißem Kampf der Übermacht der vereinten Gegner. Bei der 
Lauptwahl erzielte in allen 14 Bezirken der dritten Abteilung die Sozial 
demokratie 14 964 gegen 16 442 gegnerische Stimmen, in den sieben 
Bezirken, wo Sozialdemokraten gewählt wurden, war deren Stimmenzahl 
zusammen 10 581 gegen 4913 Stimmen der Gegner. 
So war die sozialdemokratische Fraktion im Roten Lause auf 14 Mit 
glieder gestiegen. Das änderte sich auch nicht, als am 9. Juni 1892 drei 
ihrer Mitglieder — Löhne, G. Sabor und Franz Tutzauer — ihre 
Mandate niederlegten. Sie hatten sich bei der Beerdigung des am 16. Mai 
1892 verstorbenen Oberbürgermeisters Max von Forckenbeck am Leichenzug 
beteiligt, und dies war von den organisierten Parteimitgliedern Berlins als 
ein Verstoß gegen die grundsätzliche Stellung der Partei in Resolutionen 
verurteilt worden, die den Rücktritt notwendig machten. Indes ging die 
Loffnung der Gegner, die betreffenden Stadtverordnetenbezirke nun der 
Sozialdemokratie wieder entreißen zu können, nicht in Erfüllung. Nach 
einem sehr heftigen Wahlkampf, in dem die unabhängigen Sozialisten der 
Sozialdemokratie geräuschvoll entgegentraten und sich nach Kräften bemühten, 
die Wahl der von diesen nunmehr aufgestellten Kandidaten, Bernh. Bruns 
(26. Bezirk), Th. Mehner (15. Bezirk) und Jul. Wernau (25. Bezirk) 
zu verhindern, wurden diese mit Glanz an die Stellen ihrer ausgeschiedenen 
Parteigenossen gewählt. 
Die Ergänzungswahlen des Jahres 1893 brachten eine Vermehrung 
der Gruppe der Sozialdemokraten um drei weitere Mitglieder, nämlich 
Gieshoit (36.Bezirk),J.Tolksdors(16.Bezirk), Wilke(23.Bezirk). Ferner 
fand in zwei Bezirken ein Personenwechsel statt. Im 13. Bezirk trat an 
Stelle O. Kleins Gottfr. Schulz, im 37. Bezirk ward Joh. Gnadt durch 
Franz Gleinert erseht. Wiedergewählt ward Ew.Vogtherr, dessenMandat 
erloschen war. Im 9. und 29. Bezirk waren die Parteimitglieder Kiehing 
und Gumpel in Stichwahl gekommen, aber unterlegen. In den sechs Wahl 
bezirken, in denen Sozialdemokraten gewählt wurden, wurden für diese 8702 
gegen 4069 gegnerische Stimmen erzielt, in allen 14 Bezirken der dritten 
Abteilung zusammen, in denen Ergänzungswahlen stattfanden, wurden 
12111 sozialdemokratische gegen 13 391 gegnerische Stimmen abgegeben. 
Einen ungünstigen Ausgang, was die Mandate anbetraf, nahm die 
Ergänzungswahl des Jahres 1895. Zwar ward der Sitz für den 42. Bezirk
	        
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