Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Jahres  1895  wurden  durch  Ungültigkeitserklärung  vernichtet,  und  bei  der
Nachwahl  unterlagen  unsere  Genossen.  Erst  1901  ward  eine  Vermehrung  der
Vertreter  erzielt,  und  zwar  gleich  um  sechs,  nämlich  Dr.  Bruno  Borchardt,
Karl  Zander,  Wilh.  Mickler,  Ferd.  Pasche,  Gust.  Scharnberg  und
Heinr.  Vogel.  Das  Jahr  1903  brachte  drei  neue  Vertreter:  Ed.  Dörre,
August  Sellin  und  Dr.  G.  Zepler.  1905  wurde  die  Fraktion  um  zwei
Mitglieder  verstärkt:  W.  Bartsch  und  Hugo  Klick,  verlor  aber  Kurt
Baake,  dessen  Mandat  abgelaufen  war.  Bei  einer  Ersatzwahl  war  indes
noch  der  Genosse  Paul  Liebe  gewählt  worden,  so  daß  am  Abschluß  unserer
Epoche  Charlottenburg  eine  sozialdemokratische  Fraktion  von  dreizehn  Mitgliedern ­
  im  Rathaus  hatte.  Erwähnt  sei  hierbei,  daß  Hirsch  und  Vogel
1903  ihre  bis  dahin  innegehabte  Mandate  aufgaben,  um  als  Hausbesitzer
in  Bezirken  zn  kandidieren,  die  für  solche  ausgelost  waren.  Nur  dadurch
konnte  die  Vertretung  der  Partei  auf  die  bezeichnete  Stärke  gebracht  werden.
Auch  der  drittgrößte  Ort  des  Reichstagswahlkreises  Teltow-Beeskow-Charlottenburg,
  das  1897  zum  Stadtkreis  erhobene  Schöneberg  entwickelt
sich  in  der  Mehrheit  seiner  Bezirke  zunehmend  zur  Wohnstätte  mehr  oder
weniger  wohlhabender  Bevölkerungsschichten,  neben  denen  selbst  in  den
Hinterhäusern  vorwiegend  kleinbürgerliche  Elemente  sich  ansiedeln.  Der
Ausbau  der  so  schnell  emporschießenden  Stadt  geschieht  fast  nur  in  der
Gestalt  von  Häusern,  die  auf  diese  Klassen  berechnet  sind,  und  so  werden
in  einigen  Stadtvierteln  die  Aussichten  für  die  Sozialdemokratie  eher
schlechter  statt  besser.  Es  waren  daher  am  Abschluß  unserer  Epoche  nur
9  von  20  Mandaten  der  dritten  Klasse  Besitzstand  der  Sozialdemokratie.
Der  Entwicklungsgang  der  sozialdemokratischen  Vertretung  war  hier  der
folgende  gewesen:
Zum  erstenmal  bekam  Schvneberg,  damals  noch  Landgemeinde,  in,
Jahre  1892  sozialdemokratische  Gemeindevertrcter.  Es  waren  dies  der
Maurer  Paul  Hackelbusch  und  der  Töpfer  Schmidt.  Bei  den  zwei
folgenden  Wahlen  —  1894  und  1896  —  unterlagen  die  Kandidaten  der
Sozialdemokratie.  Dann  wurde  Schöneberg  Stadt,  und  bei  der  ersten
Wahl  in  seine  Stadtverordnetenversammlung  drangen  —  im  November
1897  —  wieder  zwei  Sozialisten  durch:  der  Gastwirt  Ernst  Obst  und  der
Maurer  Fritz  Masuch.  Die  Ergänzungswahl  von  1899  brachte  keine
Veränderung  in  der  Vertretung,  dagegen  wurden  1901  drei  weitere
Sozialisten,  nämlich  W.  Bäumler,  Spediteur,  Gustav  Däumig,  Maurer,
und  Gustav  Hoffmann,  Tischler,  gewählt,  und  Masuch  durch  Reinhold
Küter,  Lagerhalter,  ersetzt.  1902  ging  das  Mandat  von  Ernst  Obst,  der
im  Parteiinteresse  seinen  sicheren  Sitz  für  einen  zweifelhaften  vertauscht
hatte,  bei  einer  Nachwahl  verloren,  doch  ward  dafür  in  einer  anderen
Nachwahl  ein  neuer  sozialdemokratischer  Vertreter  gewählt:  Karl  Panser,
Maurer,  und  als  später  das  Mandat  Däumigs  annulliert  wurde,  weil
in  dessen  Bezirk  ein  Hausbesitzer  zu  wählen  war,  ward  dort  Obst,  der
mittlerweile  ein  Haus  erworben  hatte,  an  Stelle  von  Däumig  aufgestellt
und  gewählt.  Bei  der  Wahl  von  1903  ward  zu  den  aufgezählten  sozialistischen ­
  Vertretern  Karl  Wollermann,  Schriftsetzer,  hinzugewählt,  und
1905  erhielt  G.  Däumig  ein  neues  Mandat.  Außer  ihm  wurden  von
Sozialdemokraten  damals  noch  Richard  Gabriel,  Mechaniker,  und,  in
Nachwahl,  Karl  Magnan,  Schriftsetzer,  zu  Stadtverordneten  gewählt.
Bernstein,  Berliner  Geschichte.  IN.  15
            
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