Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

226

Doch  ward  das  Mandat  Gabriels,  da  er  kein  Lausbesitzer  war,  der  Bezirk
aber  einen  Lausbesitzer  wählen  sollte,  dessen  bürgerlichem  Gegenkandidaten
zuerkannt,  der  knapp  ein  Drittel  der  Stimmen  erhalten  hatte,  die  auch
für  Gabriel  abgegeben  waren.
Die  drei  nächst  großen  Orte  des  Wahlkreises:  Groß-Lichtcrfeldc,
Steglitz,  Wilmersdorf  sind,  obwohl  es  in  ihnen  an  Arbeitern  nicht  fehlt,
der  Sozialdemokratie  direkt  ungünstig.  Dasselbe  gilt  von  dem  unweit
Lichterfelde  gelegenen  Villenort  Zehlendorf.  In  diesen  Ortschaften  stellen
das  wohlhabende  Bürgertum  mit  seinem  Anhang,  die  bessergestellte
Beamtenschaft  und  allerhand  sonstige  von  der  Sozialdemokratie  nur
ausnahmsweise  zu  erfassende  Elemente  die  Mehrheit  der  Wählerschaft.
So  konnte  denn  bisher  einzig  in  Steglitz  Einzug  in  die  Gemeindevertretung ­
  erkämpft  werden.  Änd  selbst  dort  erst  für  einen  Sozialdemokraten,
während  bei  der  Reichstagswahl  von  1903  ebendaselbst  über  48  Prozent
der  abgegebenen  Stimmen  —  1981  von  4296  —  auf  die  Sozialdemokratie
entfielen.
Ein  ganz  anderes  Bild  gewinnen  wir,  wenn  wir  uns  einer  zweiteir
Gruppe  von  größeren  Ortschaften  des  Kreises  zuwenden,  von  denen  zwei
weiter  hinaus  im  Südwesten,  vier  im  Südosten  Berlins  liegen.  Diese
Orte  konnten  sich  im  Jahre  1905  darin  Rixdorf  an  die  Seite  stellen,  daß
auch  in  ihnen  die  Sozialdemokratie  über  alle  Mandate  der  dritten  Wählerklasse ­
  verfügte.  Es  waren  dies:
Gesamtvertretung  Sozialdemokraten

Adlershof

12

4

Britz

12

4

Köpenick

36

12

Johannisthal

9

3

Nowawes

18

6

Teltow

12

4

In  Markgrafpieske  (Kreis  Beeskow-Storkow)  gehörten  von  18  Sitzen
5,  in  Trebbin  von  18,  in  Krausnick  (wie  vorher)  und  in  Treptow-Baumschulenwcg
  von  je  12  Sitzen  3  der  Sozialdemokratie.  Je  zwei  sozialdemokratische ­
  Gemeindevertreter  hatten  die  Orte  Alt-Glienicke,  Ruhlsdorf
und  Zernsdorf,  und  je  einen  außer  dem  schon  erwähnten  Steglitz  noch
Dahlewitz,  Deutsch-Wusterhausen,  Groß-Besten,  Ketschendorf,  Klein-Besten,
Marienfelde,  Ren-Zittau,  Rauen,  Schenkendorf  bei  Großbeeren  und
Schenkendorf  bei  Königs-Wusterhausen.
Interessant  ist,  daß  gerade  in  den  kleineren  der  aufgezählten  Gemeinden
sozialdemokratische  Mandate  in  der  zweiten  Wählerklasse  erkämpft  wurden,
nämlich  zwei  in  Markgrafpieske  und  je  eines  in  Krausnick  und  Ren-Zittau.
Und  ferner  ist  cs  der  Erwähnung  wert,  daß  in  nicht  weniger  als  11  dieser
27  Orte  des  Wahlkreises  die  Sozialdemokratie  in  der  Lage  war,  die  widersinnige ­
  reaktionäre  Bestimmung,  wonach  die  Lälfte  der  Gemeindevertreter
Lausbesitzer  sein  müssen,  durch  Aufstellung  von  solchen  zunichte  zu
machen.  So  hatte  Rixdorf  nicht  weniger  als  10,  Köpenick  6,  Charlottenburg  5,
hatten  Adlershof,  Krausnick,  Markgrafpieske,  Nowawes  und  Schöneberg
je  3,  Britz,  Johannisthal,  Teltow  je  2  und  Alt-Glienicke,  Steglitz,  Trebbin,
Treptow-Baumschulenweg  und  Zernsdorf  je  einen  sozialdemokratischen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.